Früher war alles anders - Der Wackeldackel kommt zurück

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Shorty
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Beitrag20.07.2015, 22:20 von Shorty

Früher war alles anders. Wir durften noch als Kinder ohne Kindersitz im Auto mitfahren. Wer lieb gewesen war , durfte auf den Beifahrersitz und wer besonders lieb war, sogar auf Papa`s Schoss und lenken - wer brauchte schon Gurte. Der Cocker war ein Dackel und machte es sich auf der Hutablage neben der umhäkelten Klopapierrolle , die farblich zum Auto abgestimmt war, bequem.

Für Nichthundehalter gab es den Wackeldackel. In meinem jugendlichen Leichtsinn habe ich eben solchen mal gründlich erforscht und stellte fest, dass der Kopf nur mit einem kleinen Haken am Hals gehalten wurde. Leider wackelte er nach meinem Rückbau nicht mehr. Nicht weiter tragisch.
Der Wackeldackel wurde durch ein lebendes Exemplar ersetzt, der auch bei der rasantesten und kurvenreichsten Fahrt sehr standhaft war. Ihn konnte so leicht nichts von der Ablage bewegen. Es gab keine Hundeboxen und Hundegurte für`s Auto.

Hundefutter in Dosen, ein Luxus, den es bei uns nicht gab. Keiner kümmerte sich um artgerechte Ernährung. Es gab das, was bei den täglichen Mahlzeiten übrig blieb. Futternäpfe , vielleicht sogar mit Namen , kannte man nicht. Es gab ja Margarine-Dosen. Halsbänder, Leinen oder gar Geschirre waren völlig unbekannt. Der Hund lief einfach mit, auch ohne Leinentraining - das waren schon intelligente Hunde, die Dackel von damals. Wenn überhaupt im Haus, durfte sich der Vierbeiner nur sehr begrenzt in den Räumen bewegen. Das Schlafen im Bett: Einfach unvorstellbar! Fellpflege oder gar Hundefriseur völlig unbekannte Worte. Wollte der Hund gepflegt aussehen, sollte er eigenständig ein Bad im Weiher nehmen. Das musste reichen. Man gab ihm die Freiheit über Wiesen zu tollen und durch Wälder zu streifen, auch ohne menschliche Begleitung. Sie hatten schon ein schönes Hundeleben , im wahrsten Sinne des Wortes.

Gerade eben habe ich wieder nach langem einen Wackeldackel gesehen. Ob das der Anfang einer neuen Hunde Ära ist?
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Ich bin nicht auf der Welt um so zu sein wie andere mich gern hätten

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TC Stahl
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Beitrag23.07.2015, 12:53 von TC Stahl

Oh ja, die guten alten Wackeldackel :lol:

Hatte ich tatsächlich auch mal. Heutzutage sieht das doch etwas kitschig aus, so ein Dackel auf der Hutablage. Oder?
Euer Admin :)

Die Freiheit des Einzelnen findet ihre Grenzen bei den Rechten der Anderen.

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Thomas
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Beitrag23.07.2015, 13:48 von Thomas

Hallo zusammen,
zu einem Oldtimer der 50er, 60er 0der 70er Jahre gehört auch stilecht, wie damals, ein Wackeldackel.
Habe auch einen, nur leider kein Auto mit fester Hutablage, wo er reinpasst.

Grüße Thomas

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Buddy
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Beitrag23.07.2015, 20:40 von Buddy

Wir haben auch einen. :mrgreen: :mrgreen:

Steht in der Küche.
Claudia mit Buddy, Yuri und Enya und dem Seelenhund Lanya fest im Herzen.
- “Wer hohe Türme bauen will, muß lange beim Fundament verweilen.”
Anton Bruckner (1824-1896), Komponist-

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Einstein
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Beitrag24.07.2015, 11:08 von Einstein

Schön geschrieben, man spürt den Hauch der Nostalgie!

Meine Mami hat einen mehr als 35 Jahre alten Daimler und dort parken - ganz provokativ :mrgreen:

ein Wackeldackel,
eine Klorolle im Häkellook und
ein Hut

auf der hinteren Ablage.

Und wehe Oma nimmt das weg (Oma ist nämlich viel moderner eingestellt), dann werden meine Neffen rebellisch - diese Form von Kitsch ist Kult und gehört zu dem alten Auto dazu!

Ich hatte selbst auch mal einen, aber der hat meine Bremsmanöver und die daraus resultierenden diversen Versuche den Kopf wieder aufzustecken leider nicht überlebt. Er ist dann irgendwann kopflos in die Tonne gewandert. :oops:
Man sollte ruhig schreiben was man denkt, nur sollte man es vorher bedenken !
Im übrigen: "Lächeln ist die beste Art Zähne zu zeigen" (A. Einstein)

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Gebirgsoma
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Beitrag24.07.2015, 18:44 von Gebirgsoma

Der Wackeldackel mag ja Kitsch sein, aber vielleicht waren der seinerzeit beim Notschlachter erstandene grüne Pansen, die gelegentlichen Essensreste vom Menschentisch und notfalls aufgebrühte Haferflocken und gewiss keine Zentner Leckerlis seinerzeit die bessere Hundenahrung? Zumindest sind viele Hunde damals nicht vorzeitig an Krebs gestorben. Heute wird immer, überall und in allen Bereichen ein "System" propagiert. Ob Futter, Erziehung oder die Regeln alltäglichen Zusammenlebens - alles ist furchtbar wichtig, auf jedes Detail kommt es an. Für jedes Problem gibt es nette Dienstleister, für alles von Yoga mit Hundi, Stromhalsbändern oder mit Antikläffhalsbändern "Hilfsmittel". Und über all den Details und Neuheiten und dem Austausch darüber, ob und wie die funktionieren vergisst man (oder hat sie nie erlesen, erlernt oder in der Praxis erübt), die seit Jahrtausenden immer noch ganz wenigen und grundlegenden Dinge, die es dem Rudeltier Hund ermöglichen, sich einzuordnen. Heute leben sie in einer Welt, in der man als Hund nun keine Aufgabe mehr und eben oft auch keinen Führer mehr hat.
Ich kann es nicht toll finden, wenn die dann noch als "Andershund" vorgezeigt werden. Weil es weder ein Beispiel noch für den Andershund wirklich hundegerecht ist,.
Angelika mit Darja (jetzt ein Jahr)

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JasminP
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Beitrag24.07.2015, 19:28 von JasminP

Ja die Regelwut nimmt zu das sehe ich auch. Aber früher war definitiv nicht alles besser. Kranke Tiere wurden einfach nicht behandelt sondern vegetierten teils qualvoll vor sich hin und wurden dann tw. erschossen z.B. auch wenn sie bissig wurden. Viele hingen an der Kette, waren in Zwingern eingesperrt, wurden regelmäßig geprügelt, es erfolgte keine Kastration sondern die überzähligen Welpen wurden ersäuft-man muss sich bloß mal auf den Land umhören was da früher mit den Hunden auch praktiziert wurde. Und nicht wenige Hunde wurden damals auch überfahren oder vom Jäger erschossen wenn sie frei liefen-früher nahm man das oft halt so hin-heute ist man viel enger mit dem Hund als sozialen Partner verknüpft, früher war er für viele einfach nur ein "Nutztier".
Früher mussten Hund und Mensch beide härter arbeiten, heute haben beide mehr Freizeit und Freiheit für Spiel und Spaß. Aber warum sollte es einem Hund mehr Spaß machen mit dem Menschen auf Jagd zu gehen anstatt im Spiel zu apportieren, Spuren zu verfolgen, einen Parcour zu bewältigen usw.
"Der eigene Hund macht keinen Lärm - er bellt nur." K. Tucholsky

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Shorty
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Beitrag24.07.2015, 21:57 von Shorty

Der Wackeldackel mag ja Kitsch sein, aber vielleicht waren der seinerzeit beim Notschlachter erstandene grüne Pansen, die gelegentlichen Essensreste vom Menschentisch und notfalls aufgebrühte Haferflocken und gewiss keine Zentner Leckerlis seinerzeit die bessere Hundenahrung? Zumindest sind viele Hunde damals nicht vorzeitig an Krebs gestorben. Heute wird immer, überall und in allen Bereichen ein "System" propagiert. Ob Futter, Erziehung oder die Regeln alltäglichen Zusammenlebens - alles ist furchtbar wichtig, auf jedes Detail kommt es an. Für jedes Problem gibt es nette Dienstleister, für alles von Yoga mit Hundi, Stromhalsbändern oder mit Antikläffhalsbändern "Hilfsmittel". Und über all den Details und Neuheiten und dem Austausch darüber, ob und wie die funktionieren vergisst man (oder hat sie nie erlesen, erlernt oder in der Praxis erübt), die seit Jahrtausenden immer noch ganz wenigen und grundlegenden Dinge, die es dem Rudeltier Hund ermöglichen, sich einzuordnen. Heute leben sie in einer Welt, in der man als Hund nun keine Aufgabe mehr und eben oft auch keinen Führer mehr hat.
Ich kann es nicht toll finden, wenn die dann noch als "Andershund" vorgezeigt werden. Weil es weder ein Beispiel noch für den Andershund wirklich hundegerecht ist,.
In den meisten Dingen bin ich in etwa Deiner Meinung. Kann auch nachvollziehen, dass Du die Geschichten um meinen Andershund nicht toll findest. Vorzeigen oder gar vorführen war nie meine Absicht. Ich habe gelernt mit dem Andershund zu leben und umzugehen und das ohne jegliche Gewalt. Und glaube mir, er lebt hundegerecht, soweit das in der heutigen Zeit möglich ist. Ich bin stolz darauf, wie es in den vergangenen Jahren gelaufen ist, und das aus Shorty nicht ein bissiger ,lanzeit Tierheimhocker geworden ist.
LG Marlis, die eben gerne Geschichten schreibt :wink:
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Gebirgsoma
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Wohnort: ein Dorf bei Zittau

Beitrag27.07.2015, 18:47 von Gebirgsoma

Shorty, ich wollte Dich nicht kränken wegen dem Andershund. Ich hatte auch schon einige Fundhunde von der Sorte. Allerdings (evtl. hast Du ja in den Storys auch betont überspitzt) ist es blöd, beim TA, bei Besuchern oder wenn man irgendwo selbst zu Besuch ist - und natürlich auch im häuslichen Alltag - wenn das Hundi den Chef und die Spielregeln vorgibt. Man kann ihnen in aller Liebe ja viele Eigenheiten lassen, muss aber einige wenige Regeln des Zusammenslebens vorgeben und selbst Chef sein. Das ist viel eher hundegerecht, als alles zu erlauben!

Und natürlich war früher nicht auch nicht alles besser. Katzen wurden an die Wand gekloppt, Hunde an die Kette gelegt und Kartopffelschalen fressen. Aber wer sich Tiere hielt, der ging damals nicht mit dem Hund zum Yoga oder kaufte vom Trainer X oder Y empfohlenes Futter oder elektrisches Zubehör für allseitige Zufriedenheit bzw. zur dezidierten Problembehebung. Wir waren pragmatischer. Auch ein Hund musste sich in die jeweiligen Lebensumstände einfügen. Und Hunde können das.
Angelika mit Darja (jetzt ein Jahr)


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