Erziehung mit Hundehalsbändern(?)

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TC Stahl
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Beitrag10.07.2015, 14:00 von TC Stahl

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Kaum etwas an unseren Cockern ist so widersprüchlich wie das Thema Bellen. Eigentlich gehört es ja zu jedem Hund dazu - es ist die Art, wie er kommuniziert. Gleichzeitig aber fehlt es oftmals an gesellschaftlicher Akzeptanz. Wie also damit umgehen? Die meisten Hundehalter entscheiden sich dafür, ihren Liebsten gesellschaftskonform zu erziehen. Ebenso umstritten wie das Bellen sind jedoch auch die Erziehungsmethoden, die unseren Begleitern all zu lautes Kundtun ihrer Meinung abgewöhnen sollen. Allen voran die sogenannten Erziehungs-Halsbänder.

Auf der Webseite antibell-halsband.de hat man einen guten Einblick in die Möglichkeiten, die es derzeit auf diesem Feld gibt. Dabei reicht die Spanne von körperlicher Bestrafung bis Ablenkung durch Tongeber:
  • Für den Normalfall meiner Meinung nach weniger zu empfehlen sind Halsbänder, die den Hund mittels Spray bestrafen. Wie eingangs beschrieben gehört Bellen zum natürlichen Verhalten des Hundes. Ihn dafür mit - zum Teil schmerzhaften Methoden - zu bestrafen ist "leicht" übertrieben und geht auch völlig an der Sache vorbei. Im schlimmsten Fall lösen solche Halsbänder sogar dauerhafte Verstörungen hervor.
  • Etwas sanfter, aber dennoch körperlich spürbar, sind Vibrations-Halsbänder. Sie sollen durch mechanische Einwirkung ablenken - optional ergänzt durch einen Ton. Ob dies wirklich der beste Weg ist, sei dahin gestellt. Vibrationen könnten besonders feinfühlige Hunde verschrecken. Außerdem gewöhnen sie sich meiner Erfahrung nach recht schnell an körperliche Impulse - insbesondere wenn man einen sturen Cocker Spaniel vor sich hat.
  • Wenn überhaupt ein Erziehungshalsband, würde ich stets eines vorziehen, das mit Ultraschall arbeitet. Es wirkt nur auf das Gehör und schont damit die Nerven von Hund und Mensch. Allerdings muss auch hier Vorsicht walten gelassen werden. Ist der Ton zu stark, kann auch diese Methode eher negative Folgen nach sich ziehen. Hier sollte man sich vor dem Kauf genau informieren, ob das entsprechende Produkt den eigenen Anforderungen entspricht.
Die Bedienung der Halsbänder ist durchweg sehr einfach: Sie verfügen über einen eingebauten Sensor, der den entsprechenden Reiz automatisch mit dem Bellen auslöst. Alternativ kann er auch per Fernbedienung aktiviert werden. Das könnte sinnvoll sein, wenn man seinen Hund mit einem solchen Halsband allgemein erziehen möchte. Wobei hier klar gesagt werden muss: Positive, also belohnende, Reize sind meistens die besseren. Erziehungshalsbänder kann man natürlich einsetzen, sollte sie jedoch in Maßen verwenden und immer auch andere Methoden in Betracht ziehen.

Glücklicherweise nicht mehr im Handel erhältlich sind laut der oben erwähnten Webseite Halsbänder, die mit Stromstößen arbeiten. Ebenso Würgehalsbänder - früher sogar mit nach innen gerichteten Stacheln versehen. Schmerzen wirken kontraproduktiv und erziehen den Hund zu einem unberechenbaren, völlig verstörten Wesen.

Doch was meint ihr dazu? Eigenen sich Hundehalsbänder wie oben beschrieben für die Abgewöhnung von zu heftigem Bellen? Sollte man sie überhaupt einsetzen?
Euer Admin :)

Die Freiheit des Einzelnen findet ihre Grenzen bei den Rechten der Anderen.

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Zulle
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Beitrag10.07.2015, 20:28 von Zulle

In Abhängigkeit des Leidensdruckes geht man wahrscheinlich verschiedene Wege, um ein Problem zu lösen. Ich habe mich mit Erziehungsmitteln, die das Bellverhalten beeinflussen, noch nicht beschäftigen müssen. Mein Springer Spaniel ist weitestgehend stumm und meine Cockerina benutzt selten Bellen als Kommunikationsmittel. Sie singt mir lieber ihre Lieblingsarie vor. "Lied von der großen Ungeduld" heißt das schöne Stück. Mi mi mi mi mi mieeee ........Bild
Manchmal schwer zu ertragen, aber ich kann damit leben.
Grüße von Petra
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ALLE TAGE SIND GLEICH LANG, NUR VERSCHIEDEN BREIT. (UDO. L.)

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Askim
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Beitrag10.07.2015, 22:09 von Askim

Ich hab ja auch so ne kleine "Kleffe" zu Hause, vor allem wenns ums Spielen geht, ist er manchmal schon sehr mühsam!
Dann kommt mir ab und an, der Gedanke eines "Erziehungshalsbandes" in den Sinn...

Mikey ist ein richtiger Plauderer, der plappert immer vor sich hin, spricht eigentlich immer mit mir und irgendwie hätte ich Angst ihm dann viel mehr, als das manchmal nervige Gebelle zu nehmen...
Außerdem...und da bin ich der festen Überzeugung, könnte man ihm durch Konsequenz, das Gebelle sehr schnell aberziehen...in Wirklichkeit ist es bei uns ja hausgemacht :roll:
Mein Mann ist sehr geschickt darin, den Ball genau dann zu werfen, wenn Mikey am lautesten bellt -a-
naja da geht's dann fast net ohne und meine Konsequenz ist halt zuwenig :evil:

haha so hat halt jeder Hund so seine Maken...einer mehr und der andere halt weniger -w-

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JasminP
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Beitrag10.07.2015, 22:32 von JasminP

Auch wenn es mich manchmal nervt (wie an dem einen Geburtstag)-nachdem es jetzt zu einigen Einbrüchen in der Umgebung kam bin ich recht froh, dass die Hundis manchmal richtig Lärm machen wenn jemand Fremdes kommt und somit jedem mitteilen, dass dieses Haus unter "Bewachung" steht. Ich versuche aber einzuüben dass sie auf Befehl wieder aufhören-komplett abgewöhnen wäre m.E. Schwachsinn-sie sollen ja ruhig warnen wenn sie eine Bedrohung wahrnehmen.
"Der eigene Hund macht keinen Lärm - er bellt nur." K. Tucholsky

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Birgit M.
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Beitrag10.07.2015, 23:07 von Birgit M.

Meine Beiden sind auch nicht die stillsten Cocker.
Noch dazu geht an unseren Garten auch noch ein Weg dran vorbei,
da passen die Beiden schon gut auf, wenn da Leute durchgehen.
Ich versuche es immer wieder zu unterbinden, dass sie einfach nur vorbei gehende Leute ankläffen.
Wenn die Leute allerdings auch noch stehen bleiben weil sie die süßen Cocker sehen,
müssen sie sich anbellen lassen.
Ich sehe das auch so wie Jasmin, wenn wirklich mal Jemand in den Garten kommt der da nicht
hin gehört, bin ich froh wenn meine Lola auch ordentlich Krawall macht.
Darum würde ich sie auch niemals deswegen bestrafen, oder es unterbinden, wenn Leute
direkt bei uns am Zaun stehen bleiben, oder sie einen anderen ersichtlichen Grund haben zu bellen.
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JasminP
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Beitrag10.07.2015, 23:13 von JasminP

Wenn die Leute allerdings auch noch stehen bleiben weil sie die süßen Cocker sehen, müssen sie sich anbellen lassen.
Hihi-das absolut sichere Kommando um die Hundis zum bellen zu animieren (zumindest bei Joey):
"Ja, bist du ein braver Hund"
"Der eigene Hund macht keinen Lärm - er bellt nur." K. Tucholsky

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Birgit M.
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Beitrag11.07.2015, 09:51 von Birgit M.

Wenn die Leute allerdings auch noch stehen bleiben weil sie die süßen Cocker sehen, müssen sie sich anbellen lassen.
Hihi-das absolut sichere Kommando um die Hundis zum bellen zu animieren (zumindest bei Joey):
"Ja, bist du ein braver Hund"

Kenn ich... :mrgreen:
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Pepper
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Beitrag12.07.2015, 18:15 von Pepper

Ich habe leider zwei sehr gesprächige Varianten zu Hause aber es ist schon richtig, Bellen ist ganz natürlich.

Eine Bekannte von mir, die hat so Halsbänder mal eingesetzt, die Wasser sprühen, aber ihre Hunde bellen nach wie vor. Für den Moment hat es anfangs mal genutzt, aber dauerhaft nicht.

Erzählt wurde mir auch von so einem Halsband, welches Geruchstoffe versprüht. Was das bewirkt und wie es dann wirkt, das weiß ich nicht, aber es soll auch bellen stoppen.

Mein Fazit ist - Es wäre toll, wenn es mir irgendwann gelingt, ein Abbruch Signal zu etablieren, damit ich das "Gespräch" auch ab und zu mal beenden kann, wenn ich das möchte :mrgreen: , und zwar mit einem Wort oder noch besser - einem Handzeichen und nicht mit einem Halsband welcher Art auch immer.
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Katharina mit Peppermint & Caramelle


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chelsea
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Beitrag12.07.2015, 20:14 von chelsea

chelsea ist auch recht bell freudig. oder nennen wir es sie hat eine niedere reizschwelle :lol:

ich finde bellen ist ein normales verhalten, das aber auch kontrollierbar sein sollte. wie katharina meinte mit einem abbruchsignal zu kontrollieren sein sollte. wir arbeiten noch dran. ich denke auch hier geht es um impulskontrolle.

steht ein spaziergänger vor ihr und sagt: die ist aber auch noch jung und starrt ihr direkt ins gesicht. da wundert mich nicht das der hund bellt und dann darf sie auch. gelände bewachen finde ich auch in ordnung wenn kontrollierbar.

chelsea dokumentiert traktoren mit einem ganz bestimmten motorengeräusch. ich sage: prima ich habs auch gehört und sie regt sich ab. also für mich sie will mich aufmerksam auf etwas machen.

halsbänder die zu gehorsam eingesetzt werden sollen wie stachelwürger, würge halsbänder gehören zu den hilflosen hundehaltern. die entweder gewichtstechnisch oder erziehungsmässig nicht auf ihr tier einwirken können. wobei ja beides zusammen gehört.

für meine begriffe sollte es heissen: beziehung statt erziehung.

wie kann ich eine beziehung durch schmerz herbei führen?

beziehung sollte auf dem natürl verhalten des hundes aufbauen, in seiner sprache die er auch versteht.

das teletakt das sich einstmals grosser beliebtheit erfreut hat, hat meines wissens keine durchschlagende erfolge erzielt.

nehmen wir chelsea, die mir vor zwei jahren in den schäferzaun gehüpft ist. wie war sie durcheinander, nix hat sie verstanden wollte nur schnell zu "mama" warum? weil ich ihr sicherheit gebe sie weiss karin macht das schon.

und nun drückt karin auf den knopf vom teletakt.
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Askim
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Beitrag12.07.2015, 23:26 von Askim

Thomas hat sich hier auch ganz klar gegen Erziehungshalsbänder die durch Schmerz "erziehen" ausgesprochen Karin!!!!
Und auch ich bin ganz klar gegen diese barbarischen Methoden...
vielmehr hat er hier Bänder angesprochen die mit anderen " Reizen" arbeiten -w-

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Buddy
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Beitrag13.07.2015, 06:46 von Buddy

Aber was bewirkt ein Sprühstoß?

Auch ein erschrecken des Hundes.?

Was lernt er daraus ?

Was bewirkt es ?

Stellt man damit wirklich nachhaltig was ab? Ich glaube kaum.

Einen vernünftigen Aufbauen macht da mehr Sinn.

Bellen ja aber dann kommt Schluß ich habe dich gehört und dann sollte gut sein.
Claudia mit Buddy, Yuri und Enya und dem Seelenhund Lanya fest im Herzen.
- “Wer hohe Türme bauen will, muß lange beim Fundament verweilen.”
Anton Bruckner (1824-1896), Komponist-

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Askim
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Beitrag13.07.2015, 07:17 von Askim

ich geb dir da vollkommen recht!!!!
den grundlegenden Fehler in der Erziehung macht immer der Mensch...
durch eine liebevolle und konsequente Erziehung könnten sehr viele "Problemhunde" vermieden werden...das betrifft nicht nur da Bellen!!!

chelsea
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Beitrag13.07.2015, 10:46 von chelsea

@michael, hab ich etwas anderes behauptet als thomas?

@ claudia, ich denke nachhaltig bringen diese hilfsmittel alle nichts. ausser eben das sie die beziehung nachhaltig stören. was mach ich denn wenn ich unterwegs bin und das hilfsmittel nicht dabei habe?

ende der fahnenstange
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cockerclaudi
Beiträge: 461

Beitrag13.07.2015, 11:03 von cockerclaudi

meine meinung zu diesen dubiosen erziehungsmethoden :roll:


Köpfchen statt Knöpfchen...


...das gilt auch für die viel gepriesenen Sprühhalsbänder, die in verschiedenen Ausführungen den Markt erobert haben. Spätestens seit uns Hundenanny Katja Geb-Mann allwöchentlich im deutschen Fernsehen vorführt, wie jeder Hund, ganz gleich welches Problem er seinen Haltern vermeintlich oder tatsächlich bereitet, mit Einsatz einer Fernbedienung in das Verhalten gepresst werden kann, das Herrchen oder Frauchen beliebt, finden die Halsbänder, die einen angeblich völlig harmlosen Spraystoß von sich geben, steigenden Absatz.

Doch schon der gesunde Menschenverstand lässt einen aufhorchen, wenn Hersteller und Anwender behaupten, dass der jederzeit auszulösende Sprühstoß für den Hund „gar nicht schlimm“ sei. Da fragt man sich doch selbst nach nur kurzem Nachdenken, wie es denn möglich sein soll, instinktive, genetisch fixierte Verhaltensweisen wie zum Beispiel das Jagdverhalten durch etwas zu unterdrücken, das dem Hund gar nichts ausmacht?! Dem Hundehalter wird generös angeboten, das Gerät doch selbst mal in die Hand zu nehmen oder um den Hals zu legen, während der Trainer den Auslöser betätigt... und tatsächlich, so schlimm war das doch gar nicht. Ein kurzes „Zischhhh“ mit etwas feucht-kalter Luft. „Ja“, bestätigt der überzeugte Hundehalter, „das war gar nicht schlimm.“ Was Hersteller und Trainer jedoch geflissentlich verschweigen (aus Unwissenheit oder in betrügerischer Absicht?!), ist die Tatsache, dass plötzlich auftretende, nicht eindeutig zuzuordnende Zischlaute beim Hund als Angst auslösende, sogar lebensbedrohliche Laute abgespeichert sind, bei denen sofort die Flucht ergriffen werden muss. Jeder kennt den Anblick eines Hundes, der sich selbst im Körbchen `zig mal um die eigene Achse dreht, bevor er sich schließlich gemütlich niederlegt. Es handelt sich bei dieser Verhaltensweise um ein Erbe aus den Zeiten, in denen der Hund noch weitgehend draußen in Freiheit lebte. Bevor er sich hinlegte, drehte er sich mehrfach im Gras oder Laub, um die ausgesuchte Liegestelle als ungefährlich abzusichern. Sollte beim Drehen ein Zischlaut (zum Beispiel von einer Schlange) zu hören sein, würde er sich durch einen Sprung zur Seite in Sicherheit bringen. Biologisch sinnvoll... und diesen genetisch fixierten, Angst auslösenden Zischlaut bringen wir Menschen nun in den unmittelbaren Kopfbereich des Hundes! Und drücken vielleicht gleich mehrfach das Auslöseknöpfchen, worauf der Hund ganz leicht nicht nur in Angst, sondern sogar in Panik versetzt werden kann – ohne die Möglichkeit, sich durch die Flucht zur retten!

Eigentlich ist dieser Umstand allein schon Grund genug, niemals zu erlauben, dass einem uns anvertrauten Lebewesen ein solches Gerät angetan (im wahrsten Sinne des Wortes!) wird. Es gibt aber noch mehr Probleme:

Der Hund weiß nie, wann und vor allem warum der Sprühstop ausgelöst wird, befindet sich also in ständiger Erwartungsunsicherheit. Wer wissen möchte, wie sich das anfühlt, dem empfehle ich folgendes Eigenexperiment, das nicht in Anwesenheit eines Hundes durchgeführt werden sollte, damit dieser nicht unnötig verunsichert wird: Bitten Sie ein Familienmitglied oder einen Freund, Sie wirklich stark zu erschrecken, zum Beispiel durch einen lauten Schrei oder dadurch, dass er plötzlich die Stereoanlage zu voller Lautstärke aufdreht oder zwei Töpfe aufeinander schlägt, wenn Sie gerade überhaupt nicht damit rechnen, sich zum Beispiel entspannt im Sessel zurücklehnen oder gerade mit Freunden Karten spielen. Das Experiment sollte mindestens mehrere Stunden, am besten ein oder zwei Tage dauern und der Schreckreiz sollte in dieser Zeit mehrfach ausgelöst werden – ohne dass Sie wissen, wann dies sein wird. Sie werden merken, dass der eigentliche Reiz, wenn er dann endlich auftritt, bei weitem nicht so schlimm zu ertragen ist, wie die zermürbende Warterei auf ihn. Obwohl man ihn fürchtet, wünscht man ihn schon beinahe herbei in der Hoffnung, dann wieder eine Weile Ruhe zu haben, was aber nicht so ist, da er kurz nach dem Auftreten ein zweites oder drittes Mal ausgelöst wird und dann wieder stundenlang gar nicht, ganz wie es Ihrem Helfer beliebt. Keine angenehme Vorstellung, nicht wahr?!

Aber es gibt noch weitere Probleme. Gleich mehrere ergeben sich aus der Tatsache, dass Hunde über gedankliche Verknüpfung lernen. Trägt der Hund das Halsband und erhält den Sprühstoß, wenn er zum Beispiel auf mehrfachen Zuruf nicht kommt, so möchte der Mensch ihm damit zeigen, dass er dafür mit Schreckreiz bestraft wird, dass er ungehorsam ist. Es kann aber gut sein, dass er in genau diesem Moment zu einem kleinen Kind, einem Jogger oder einem anderen Hund schaut – und den Strafreiz damit verbindet. Das Ergebnis ist dann ein Hund, der noch immer nicht besser auf Abruf reagiert, dafür aber Ängste, evtl. sogar durch die Angst ausgelöste Aggressionen, gegen das entwickelt, was er gerade sah. Die Hundehalter sind dann ratlos, weil ihr Hund „plötzlich“ kleine Kinder meidet oder Jogger anknurrt, mit denen er doch bisher bestens auskam. Viele solcher Beispiele finden sich in meiner Hundeschule ein, erst kürzlich ein Rhodesian Ridgeback Rüde, dessen Sprühhalsband immer ausgelöst wurde, wenn er zum Wildern durchbrennen wollte. Bei diesen Spaziergängen war allerdings auch immer seine Gefährtin, der Zweithund der Familie, anwesend. Die Halter kamen nun nicht wegen des unerwünschten Jagdverhaltens zu mir in die Hundeschule, mit dem sie sich inzwischen abgefunden hatten, sondern weil der Rüde seit Wochen die Nähe der Hündin mied. Immer wenn diese den Raum betrat oder sich, so wie früher, zu ihm kuscheln wollte, verließ er mit ängstlichem Gesichtsausdruck das Zimmer und das konnte man sich nicht erklären... Was hatte man diesen beiden Hunden angetan! Welche Gefühle wurden in den Tieren ausgelöst?! Der Rüde hatte nun Angst vor seiner Gefährtin, die er früher heiß und innig liebte, während diese nicht verstehen konnte, weshalb er, der vorher immer leidenschaftlich mit ihr spielte und tobte, sie jetzt mied. Die gleiche Trainerin, die den Einsatz des Sprühhalsbandes empfohlen hatte, empfahl jetzt übrigens, einen der Hunde abzugeben, weil die Tiere sich unterschiedlich entwickelt hätten und einfach nicht mehr gut zueinander passen würden. Die Ängste des Rüden erklärte sie über die angeblich dominante Ausstrahlung der Hündin. Man könnte weinen, wenn man Hunden mit einem solchen Schicksal gegenüber steht – oder es packt einen einfach nur die Wut.

Die Probleme gehen noch weiter, denn nichts generalisiert sich bei Hunden so schnell, wie Geräuschangst. Nicht nur dieser Rüde, sondern auch zahlreiche andere Hunde entwickeln nach Einsatz des Sprühhalsbandes Ängste vor allen möglichen Geräuschen. Das Öffnen einer kohlesäurehaltigen Getränkeflasche, das Zischen von heißem Fett in der Pfanne, Knall- und Schussgeräusche, die dem Hund vorher egal waren, versetzen ihn jetzt in Angst und Schrecken. Der oben erwähnte Ridgeback Rüde zum Beispiel verzog sich mit eingezogener Rute unter den Tisch des Besprechungsraums, als ich eine Wasserflasche öffnete. Dies tat ich nicht, weil ich Durst hatte – trauriger Weise gehört es inzwischen schon fast zum Standardprogramm beim ersten Kennenlernen und Analysieren eines mir vorgestellten Hundes auszutesten, ob er schon mit Sprühhalsband gearbeitet wurde und welche Wunden dies an seiner Seele hinterlassen hat. Die Halterin war auch sehr erstaunt, als ich ihr nach dem „Flaschentest“ auf den Kopf zusagte, dass an ihrem Hund sicher schon mit Sprühhalsband gearbeitet worden war. Das wollte sie mir eigentlich gar nicht erzählen, weil sie schon gehört hatte, dass ich gegen den Einsatz dieser Geräte bin. Nachdem ich sie auf die Reaktion ihres Hundes hingewiesen hatte, war sie sehr betroffen. Und wütend, nachdem ich ihr erklärte, weshalb ihr Rüde jetzt Angst vor der Hündin und vor allen möglichen Geräuschen hatte. Wütend auf die Trainerin, die sie auf diese „unerwünschten Nebenwirkungen“ nicht aufmerksam gemacht, sondern immer erklärt hatte, wie harmlos der Einsatz des Gerätes sei. Für mich stellt sich die Frage, ob Kollegen, die es einsetzen, um diese Nebenwirkungen nicht wissen, oder ob sie diese bewusst verschweigen, weil kaum jemand bereit wäre, den Einsatz zu erlauben, wenn sie bekannt wären. Und ich stelle mir die Frage, was von beiden eigentlich schlimmer ist...

Last not least gibt es Probleme mit der Technik. Es soll schon vorgekommen sein, dass das Gerät durch andere Funkfrequenzen oder sogar die Fernbedienung eines in der Nähe befindlichen Halsbandes an einem anderen Hund ausgelöst wurde. Der Strafreiz wird dann also einem Hund verabreicht, der einfach nur herumsteht oder gerade spielt oder sonst etwas tut. Das steigert die Erwartungsunsicherheit natürlich noch mehr und erhöht die Trefferquote auf Fehlverknüpfungen immens. Zusätzlich löst es nicht immer zuverlässig aus, kann zum Beispiel durch Wetterlagen mit feuchter Luft (Nebel, Regen) verzögert oder gar nicht reagieren. Schließlich zeigt es auch nicht an, wann die Batterie leer ist, wodurch es passieren kann, dass der Auslöser gedrückt wird und nichts geschieht. Dann käme man durch das Ausbleiben des Strafreizes (wenn der Hund denn überhaupt verstanden hätte, wofür er eigentlich bestraft werden soll) in den Bereich der variablen Bestätigung, was das unerwünschte Verhalten sogar noch verstärkt. Der Hund würde nämlich lernen, dass er das Verhalten nur immer wieder zeigen muss, bis er schließlich wieder zum Erfolg (in diesem Fall das Ausbleiben des Strafreizes und die erfolgreiche Durchführung des Verhaltens) kommt.

Man kann es also drehen und wenden, wie man will: Sprühhalsbänder sind ganz und gar nicht harmlos, im Gegenteil sogar sehr gefährlich. Manche Hunde werden durch sie so verunsichert, dass sie in die so genannte erlernte Hilflosigkeit fallen, was zur Folge hat, dass sie kaum noch Aktionen zeigen oder Handlungen anbieten, weil sie in ständiger Angst vor dem für sie unkalkulierbaren Strafreiz leben. Um diesen Tieren – und ihren verzweifelten Haltern – zu helfen, braucht es ein meist lang angelegtes, gut durchdachtes Training, das den Hund aus dieser erlernten Hilflosigkeit und seinen vielfältigen Ängsten wieder herausholt.

Sprühhalsbänder gaukeln dem Hundehalter vor, mal eben schnell per Fernbedienung eine Lösung für vermeintliche oder tatsächlich entstandene Probleme zu haben. Aber so einfach ist das nicht. Hunde sind uns anvertraute, fühlende und denkende Lebewesen, die nicht beliebig manipulierbar sind und deren Lernverhalten sich von dem unseren ganz erheblich unterscheidet. Ich kann deshalb nur dringend empfehlen, jeden Ausrüstungsgegenstand und jede Methode, der/ die durch Hersteller oder Trainer empfohlen wird, vor Anwendung am Hund genau zu prüfen, sich gut zu informieren und im Zweifelsfall nach dem guten alten Motto zu entscheiden, das auch für unsere Hunde gelten sollte: Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu.

© Clarissa v. Reinhardt
animal learn

P.S.: Hiermit lade ich alle Hundefreunde ein, bei der Verbreitung dieses Textes zu helfen. Ich erlaube als Autorin ausdrücklich, ihn (vollständig und unverändert und unter Nennung der Quelle) auf anderen Homepages zu veröffentlichen, auszudrucken und zu verteilen oder auf ihn hinzuweisen. Je mehr Menschen um die Tücken und Gefahren des Sprühhalsbandes wissen, je mehr Hunden bleibt dessen Anwendung – hoffentlich – erspart. Ein herzliches DANKE an jeden, der diesen Text weiter gibt.
Claudi mit Nicky, Atze, Tingo, Yakari und Diva und Susi für immer im Herzen -f-

Auch noch so viele gerettete und glücklich vermittelte Hunde können den Schmerz nicht aufwiegen über den einen, den man nicht retten konnte!

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JasminP
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Beitrag13.07.2015, 11:38 von JasminP

meine meinung zu diesen dubiosen erziehungsmethoden
Der Text sagt alles was man zu Erziehungshalsbändern wissen sollte-super und vielen Dank dafür.
Gerade kam Werbung von einem bekannten Shop mit allen möglichen Artikeln rund um den Hund - im Angebot die ungefährlichen Erziehungshalsbänder.
"Der eigene Hund macht keinen Lärm - er bellt nur." K. Tucholsky

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Einstein
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Beitrag13.07.2015, 14:08 von Einstein

Ich halte gar nichts von Hundehalsbändern, die irgendeinen erzieherischen Zweck haben sollen.

Nicht, das ich deren Wirkung - just in time - in Abrede stellen möchte, da meist eine kurze Zeit lang ja auch die gewünschte Reaktion erfolgt.
Auf Dauer hat das aber oftmals keine Wirkung, da die meisten Hunde sehr schnell raushaben:

Halsband um = brav sein / kein Halsband = kann machen was ich mag.
Man sollte ruhig schreiben was man denkt, nur sollte man es vorher bedenken !
Im übrigen: "Lächeln ist die beste Art Zähne zu zeigen" (A. Einstein)


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