Problem-Farbe Zobel beim American Cocker Spaniel

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Indiansummer
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Beitrag03.07.2015, 23:12 von Indiansummer

Der Amerikanische Cocker Spaniel ist eine der farb-vielfältigsten Rassen die es gibt. Freunde dieser Rasse können zwischen einfarbig und mehrfarbig wählen. Das ist auf den ersten Blick nicht viel. Aber wenn man sich dann anschaut, wie die Varietäten innerhalb dieser beiden Farbschläge sind, hat man als zukünftiger Besitzer die Qual der Wahl.

Unter "einfarbig" versteht der Standard Schwarz, Schwarz mit Loh, Braun, Braun mit Loh sowie rot, welches wiederum von hellstem Creme - auch Buff genannt - bis dunkelstem Rot variieren kann. Aber auch bei den Mehrfarbigen gibt es eine Menge "Farben": Schwarz/Weiß, Braun/Weiß, Rot/Weiß - auch hier variiert das Rot vom hellsten Creme zum dunkelsten Rot - Schimmelfarbene und das Ganze auch mit Lohmarkierungen. In beiden Farbvarianten, einfarbig wie mehrfarbig, gibt es zusätzlich eine Farbe, die nicht im Standard vermerkt ist, obwohl es sie nachweislich gibt: ZOBEL!

Nun fragen sich viele, was das für eine Farbe ist und warum sie nicht im Standard steht. Diese Frage haben sich bisher alle Liebhaber des Farbschlages gestellt. Doch fangen wir am Anfang an. Ich zitiere dafür hier einen Teil eines Artikels von Bianka Titus-Langer aus der Zeitschrift "Schweizer Hundemagazin" von 2010, "Fellfarben beim Cocker Spaniel" von Dr. Laukner:
Zucht in Amerika
Tatsächlich kann die Zobelfarbe bis in die frühen Jahre der Cockerzucht um 1900 zurückverfolgt werden. Bereits 1909 wurde in das Zuchtbuch des American Kennel Club (AKC) ein zobelfarbener Welpe eingetragen; die genaue Farbangabe «sable and white», also zobel und weiss. Bis in die 40er-Jahre hinein tauchten immer wieder vereinzelte Zobelfarbene in den amerikanischen Zuchtbüchern mit teils phantasievollen Bezeichnungen auf – die Palette reichte von rotzobel über braunzobel und orangezobel bis hin zu «loh mit schwarzen Haaren» oder «rot mit schwarzen Ohren». Die meisten Zobel wurden im Zuchtbuch des AKC jedoch leider als «mahogani» oder «rot» registriert. Die Frage, warum man den Begriff «zobel» vermied und lieber auf gängige Farbbezeichnungen auswich, muss offen bleiben. Allerdings erschwert das die Forschungen nach den Ursprüngen immens, ja macht sie nahezu unmöglich.
Bereits in den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts begann ein Amerikaner gezielt nach der Zobelfarbe zu forschen. 1938 behandelte Dr. James Mel. Phillips in seinem Fachartikel «Sable Coat Color in Cockers», der im amerikanischen «Journal of Heredity» veröffentlicht wurde, die Zobelfarbe. Das grosse Rätsel bei der ganzen Sache: Auch Phillips konnte nicht erklären, wo die Ursprünge dieser seltsamen Farbe lagen.
Dr. Frances Greer, die amerikanische Zuchtforscherin, bestätigt in ihrem in den 80er-Jahren erschienenen Buch «Cocker Champions in Story and Pedigree, Volume 2», dass in frühen Jahren der Cockerzucht die Farbbezeichnung «zobel» kaum verwendet wurde. Greer: «Die Sablezeichnung beim Cocker war wahrscheinlich viel häufiger, als sie in den Zuchtbüchern auftaucht.»

Damit wäre eigentlich der Beweis erbracht, dass es die Farbe Zobel schon immer gegeben hat. Doch das wird so leider nicht vom europäischen Dachverband anerkannt. Einzig Kanada akzeptiert diesen Farbschlag. In Amerika darf mit Zobel gezüchtet, aber nicht ausgestellt werden. Was zur Folge hat, dass immer wieder American Cocker Spaniel nach Europa importiert werden, die das Zobelgen tragen und somit auch zobelfarbene Welpen in Europa geboren werden. Dadurch haben viele Züchter in der FCI Problem und geben diese Welpen weit unter Wert weg. Gesunde, absolut wesensfeste American Cocker Spaniel Welpen, die für die Zucht unwiederbringlich verloren wären, wenn nicht einige wenige Züchter und Liebhaber - meist außerhalb der FCI - sich dieser Farbe angenommen hätten. Doch möchte man mit diesen Hunde außerhalb des FCI züchten, hat man das Problem auf einen extrem engen Genpol zu treffen. Nicht jeder Züchter ist in der Lage sich einen oder mehrere Deckrüden zu halten und so müssen sie auf Deckrüden von außen zugreifen. Diese sind jedoch fast alle untereinander verwandt. Ein Problem, dem man immer wieder gegenübersteht, will man verantwortungsvoll Züchten. Es wäre schön, wenn endlich alle Verbände und Züchter an einem Strang ziehen würden zum Wohle der Rasse, um sie populärer zu machen und den Genpool zu erweitern.
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TC Stahl
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Beitrag08.07.2015, 12:34 von TC Stahl

Das wusste ich so auch noch nicht. Danke für diesen guten Einblick in die Thematik - oder besser Problematik. :D
Euer Admin :)

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Kathrin
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Beitrag09.07.2015, 22:27 von Kathrin

Ich finde es super schade das man einer Rasse, egal welche, die natürliche Vielfalt nehmen will. Es sollen doch geistig und körperlich gesunde Tiere entstehen und ich sehe da keinen Fehler wenn es eine andere Fellfarbe mit sich bringt. Ich glaube auch nicht das es einer Rasse auf Dauer gut tut nur bestimmte Farben zu züchten.
Ich kenne auch Tierarten bei denen ein bestimmte Farbe mit mehr gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat als die anderen Farben.
LG
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Kathrin & Fanny

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Buddy
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Beitrag10.07.2015, 15:57 von Buddy

Ich habe gestern erfahren das es beim Border auch Zobel gibt.

Für mich eine wunderschöne Farbe. Ich versteh nicht warum man sich so schwer tut mit der Farbe.
Claudia mit Buddy, Yuri und Enya und dem Seelenhund Lanya fest im Herzen.
- “Wer hohe Türme bauen will, muß lange beim Fundament verweilen.”
Anton Bruckner (1824-1896), Komponist-

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JasminP
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Beitrag10.07.2015, 22:55 von JasminP

Ich sehe auch keinen Sinn darin eine Farbe zu verbieten, solange die Farbe keine negativen Ausswirkungen auf die Gesundheit des Hundes hat.
Schon "lustig" , dass "Merle" das nachweislich Gesundheitsrisiken birgt, als Farbe bei Border, Colli, usw. erlaubt ist.
"Der eigene Hund macht keinen Lärm - er bellt nur." K. Tucholsky

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BarrneysMum
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Beitrag25.02.2016, 16:02 von BarrneysMum

Kann man da vielleicht was mit einer Petition erreichen? Kennt ihr euch da aus?

Ich hab allerdings nicht verstanden, weshalb man keine Zuchtrüden aus dem FCI nehmen kann.
Klar, das wären dann keine (reinerbigen) Zobel, aber es wären gesunde Hunde ohne Inzucht, das ist doch erst mal viel wichtiger. Selbst, wenn man eigentlich gezielt Zobel vermehren will.
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Kati&Julie
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Beitrag25.02.2016, 17:30 von Kati&Julie

Weil sogut wie kein Züchter aus der FCI seinen Rüden der Dissidenz zum Decken geben wird...
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BarrneysMum
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Beitrag25.02.2016, 17:33 von BarrneysMum

Okay, sowas habe ich schon vermutet. Aber warum das denn? Der Hund ist doch nicht weniger konform, wenn er mal eine Hündin von außen gedeckt hat. Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn!
Wie siehst du das persönlich?
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Kati&Julie
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Beitrag25.02.2016, 17:48 von Kati&Julie

Ich persönlich kann jene Dissidenzzüchter, die ihre Arbeit gut machen, an einer Hand abzählen,
alle anderen vermehren auf Kosten der Tiere. Ohne Gesundheitsuntersuchungen, mit gefälschten
Gesundheitsuntersuchungen, vom Phänotyp schon kaum mehr einem Cocker ähnlich, weit ab
vom Standard, Hauptsache die Farbe stimmt (wobei es solche bzgl Farbe leider auch zur Genüge
im FCI gibt). Warum sollte ich meinen hypotetischen Rüden für so ne Hündin bzw. für so nen
Züchter freigeben? No way... Wobei ich auch dazusagen muss, dass mein hypotetischer Rüde auch
definitiv nicht jede FCI-Hündin decken würde!!!
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