Politik-Rubrik im Cockerforum?

Zulle
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Zulle » 16.11.2015, 10:26

Was bleibt einem weiter übrig ....... JEDER fühlende Mensch wird großen Anteil an Anschlägen dieser Art nehmen, unabhängig davon, ob er direkt betroffen ist oder nicht. Und wenn man jetzt ständig hört, wie gut diese Teufel organisiert sind und weitere Untaten in Vorbereitung sind, bleibt nur zu hoffen, dass ab jetzt noch besser aufgepasst, noch gründlicher kontrolliert und noch mehr Arbeit investiert wird, um geplante Anschläge im Vorfeld zu verhindern.

Doch müssen sich Leute, die in kleinen idyllischen Ortschaften oder auf dem Lande leben, nicht so sehr fürchten wie z.B. jene, die mitten in Berlin arbeiten, dort einen Teil ihres Alltags verbringen, gern in Cafes, Restaurants, Kinos und Konzerte gehen .....und zudem täglich rappelvolle öffentliche Verkehrsmittel benutzen müssen (um zwischen Grün und Bunt zu pendeln). Ich gehöre zu dieser Spezies und kann nichts weiter tun, als diese Tatsache zu verdrängen und hoffen und vertrauen, dass der Terrorkelch im unvorstellbaren Fall an einem vorüber geht. :? Diese Art Angst nicht zulassen.

Catrin, wenn man erst anfängt, noch weiter über den Tellerrand zu blicken und den Zustand unserer Welt mit all ihren „Kollateralschäden“, ihrem millionenfachen Unrecht, Elend, Hunger, Verzweiflung, Armut, Krieg, Kinderleid verfolgt..... und sich diese Wahrheit zu oft emotional anzieht, dann kann man kein „normales“ Leben mehr führen. Was nicht heißt, dass man es komplett ausblenden darf....

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P.S. ein was Schönes kann ich heute doch berichten: In meinem Lieblingssender Radio 1 spielen sie heute überwiegend französische Musik. Bin ja Fan ebensolcher Klänge.
Grüsse von Petra, Alma und Edvin

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Shorty
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Shorty » 16.11.2015, 10:49

Vor Jahrzehnten in einem kleinen Eifeldörfchen.
Eine Hochzeit wurde gefeiert. Der Bräutigam , ein Soldat, hatte 3 Tage Sonderurlaub. Mit spärlichen Mitteln wurde gekocht. Der Festsaal war die kleine Stube im Haus der Brauteltern. Nein, es war kein fröhliches Fest. Einen Tag nach der Hochzeit mußte der Soldat zurück an die Front. Keiner wußte ob man ihn je wiedersah.
Die Braut lebte weiter bei ihren Eltern. Hinterm Westwall hörte man die Bombeneinschläge und Panzer. Man mußte fliehen. Alles zurücklassen. Die Tiere wurden auf´s Feld getrieben, vielleicht konnten sie in den Wäldern überleben. Es gab keine Möglichkeit mehr für sie zu tun. Mit einer Handkarre und dem bißchen was darauf passte machte man sich zu Fuß auf den Weg. Nach etwa 50 km fand man eine Bleibe. Die Armut war groß, aber gute Menschen gaben ihnen ein Zimmer. Sie mußten nicht mehr frieren. 7 Menschen fanden dort Unterkunft. Ernährt wurde sich von Kartoffeln und was man sonst so fand.
Die Braut hörte nichts mehr von ihrem Mann. Ob er noch lebte?
Nach anderthalb Jahren , die Braut , deren Geschwister und die Eltern waren inzwischen zurückgekehrt in ein völlig zerstörtes Haus, die erste Nachricht.
Eine Postkarte mit 25 Wörtern war dem Mann erlaubt worden zu schreiben. Er lebte. War in Gefangenschaft . Man hatte ihn gefoltert, er kämpfte mit vielen Mitgefangenen gegen das Verhungern und die Kälte......aber er lebte.
Und wieder vergingen Monate ohne ein Lebenszeichen bis die Nachricht kam, er darf nach Hause.
Nach Wochen endlich das Wiedersehen.
Er kam zurück, als gebrochener Mann. Aber er kam zurück.

Und die Welt drehte sich weiter, das Leben ging weiter.

Soviel Elend, Schmerz, Wut , Trauer und Hiflosigkeit kann ein Menschenleben begleiten und doch werden es immer wieder Menschen geben, die nicht das Leid sehen, sondern ihren Profit, ihre Meinung, ihren Glauben. Und sie werden dafür töten.
Und die Welt dreht sich weiter, das Leben geht weiter...........
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Greeta » 16.11.2015, 11:11

Zulle hat geschrieben:Doch müssen sich Leute, die in kleinen idyllischen Ortschaften oder auf dem Lande leben, nicht so sehr fürchten wie z.B. jene, die mitten in Berlin arbeiten, dort einen Teil ihres Alltags verbringen, gern in Cafes, Restaurants, Kinos und Konzerte gehen .....und zudem täglich rappelvolle öffentliche Verkehrsmittel benutzen müssen (um zwischen Grün und Bunt zu pendeln). Ich gehöre zu dieser Spezies und kann nichts weiter tun, als diese Tatsache zu verdrängen und hoffen und vertrauen, dass der Terrorkelch im unvorstellbaren Fall an einem vorüber geht. :? Diese Art Angst nicht zulassen.
Ja Petra, daran hab ich schon das ganze Wochenende gedacht, dass es auch unsere Grossstädte mal treffen könnte....
Aber wie Du schon sagst, man kann und darf diese Angst nicht zulassen, sie einen nicht beherrschen lassen, sonst hat das Leben jeglichen Sinn verloren und diese "Teufel" haben gewonnen!!

Auch wenn es noch so schwer fällt, man muss sich zwingen, positiv zu denken.
LG
Anja


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Zulle
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Zulle » 16.11.2015, 11:24

@Anja, wir müssen positiv denken und unseren Alltag leben. Wie ich schon irgendwo schrieb .... irrationale Risikowahrnehmung. Die Wahrscheinlichkeit, dass uns am WE ein Geisterfahrer das Leben nimmt oder wir einem Gehirnschlag erliegen (ich weiß, krasses Beispiel) ist ungleich höher, als einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen. Auch wenn diese Thematik im Augenblick sehr nah und real erscheint.

@Marlis, Geschichten wie Deine ( die Braut = Deine Mutter?) berühren immer noch sehr und erzählen, welch grauenhafte Zeiten unsere Großeltern/Eltern durchleben mussten. Für uns kaum mehr vorstellbar. Wie konnte man das alles überleben, ohne verrückt zu werden. Zeigt es doch einmal mehr, wie anpassungs- und widerstandsfähig Menschen sind. Wie groß der Überlebenswille ist.
Mir ist bei der Schilderung Deiner Hochzeitssituation dieser neue Trend in den Sinn gekommen, für viel Geld (notfalls Kredit) sich ein Schloss oder eine andere repräsentative Location zu mieten und extrem pompös unter großem Tamtam (nur „für die Leute“, würde meine Mutter sagen *ggg*) zu heiraten. Um statistisch nach hmhm .... Jahren wieder geschieden zu werden. :mrgreen:
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Einstein » 16.11.2015, 11:26

Man lernt damit zu leben.... - ein grausslicher Satz mit leider so viel Wahrheit.

Zu Zeiten des 11. September pendelte ich beruflich zwischen München, Frankfurt und dem Ruhrgebiet hin und her. Meist via Flugzeug von einer Metropole zur anderen oder mitten hinein in den Ruhrpott, ins Ballungszentrum...- die Angst, bei den kleinsten ungewohnten Geräuschen im Flieger, auf dem Flughafen etc. - fast die Panik - flog immer mit.
Mit jedem Tag, der nach dem 11. September verging wurde es einfacher, leichter - man gewöhnte sich an den Gedanken, dass etwas passieren kann, aber nicht passieren muss.

Entsetzlich sich vorzustellen, das es auch jetzt wieder weitergeht, weitergehen muss und gleichzeitig eine vollkommen natürliche Weisheit - es geht weiter, immer weiter...., aus einer Fast-Panik wird eine leichte Angst, ein ungutes Gefühl und dann irgendwann gibt es viele Tage, an denen man wieder sorglos in einen Flieger steigt, eine U-Bahn betritt....

Sicher ist niemand mehr, auch wenn es die Ballungsgebiete wahrscheinlich eher treffen wird, weil Attentäter dort mehr erreichen können. Es kann überall etwas passieren und wenn es mich trifft, war das wohl mein persönliches Schicksal. Hier glaube ich an mein Kismet - wenn es so sein soll, wird es so sein egal wo ich mich aufhalte. Kein wirklicher Trost, aber ein Stückchen Lebenserleichterung allemal....

Lasst uns alle ein wenig aufmerksamer werden für die Dinge, die um uns herum geschehen - ohne Vorurteile aber doch mit einem wachsamen Auge durch die Welt gehen und vor allem lasst uns den Mut haben, den Mund auf zu machen, wenn wir Unrecht sehen.
Vieles kann geändert werden, wenn man hinschaut und nicht wegschaut.
Jeder noch so lange steinige Weg beginnt mit dem ersten Schritt - direkt vor meiner Haustür.
Wenn jeder losläuft und seinen Weg achtsam geht, kann man viel erreichen und vieles vielleicht verhindern.
Man sollte ruhig schreiben was man denkt, nur sollte man es vorher bedenken !
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Charlotte » 16.11.2015, 13:28

doppelt
Zuletzt geändert von Charlotte am 16.11.2015, 13:42, insgesamt 1-mal geändert.
Ich brauche keine guten Vorsätze. Ich bin mit den schlechten noch gar nicht durch.
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Charlotte
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Charlotte » 16.11.2015, 13:41

@Lisa,

damit triffst Du ziemlich gut, was ich auch gerade schreiben wollte.

....außer, dass ich erst einmal "Kismet" nachlesen mußte.
Ich war mir nicht sicher, ob ich so etwas auch habe. :)


@Marlis
bei Deiner sehr nahegehender Schilderung habe ich auch sofort gedacht "auch ein Teil Deiner Geschichte?".
Es hat mich auch sehr an die Kriegs-Erlebnisse meiner Mutter erinnert, die auch im Alter von 91 Jahren noch sehr präsent in ihren Lebenserinnerungen sind, und sicher auch bei meiner Schwester und mir etwas hinterlassen haben.
Ich brauche keine guten Vorsätze. Ich bin mit den schlechten noch gar nicht durch.
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Catrin » 16.11.2015, 14:41

Zulle hat geschrieben:Catrin, wenn man erst anfängt, noch weiter über den Tellerrand zu blicken ...
Ich blicke nicht "noch weiter" sondern überhaupt über den Tellerrand. So schrecklick ich die Anschläge finde, widerstrebt es mir, die Attentäter oder die IS (oder die Moslems generell?) als "Teufel" zu titulieren. Impliziert dieser Ausdruck doch, dass wir ("unsere" Bevölkerungen, "unsere" Regierungen, der Westen generell) die Engel sind. Und dem ist bei Gott !!! nicht so, wie die Links ein wenig zeigen.

Ich fühle daher auch mit den Müttern in Syrien und Irak, die vielleicht erst gestern Kinder verloren haben. Ich fühle mit den unschuldigen Moslems, die seit 14 Jahren im Krieg leben und u.a. Bombardierungen durch die USA, Briten und Franzosen ausgesetzt sind und den beschriebenen Drohnenangriffen. Wie viele Familien leiden dort und wurden auseinandergerissen, ohne jemals irgendjemandem etwas getan zu haben?

Kann man das eine Leid vom anderen trennen?
Es ist beängstigend, wie sehr wir alle oder viele mittlerweile medial auf Feindbilder geprägt sind, ohne zu hinterfragen, welche Rolle die USA, Russland und Europa spielen. Cui bono? Handeln sie aus Altruismus oder spielen nicht eher andere Gründe eine Rolle?

Liebe Lisa, ich nehme mir die Freiheit hinzuschauen und betrachte beide Seiten. Und ich habe den Mut, den Mund aufzureißen - hier und jetzt.

Gewalt als Antwort auf Gewalt ist in meinen Augen der falsche Weg! Und jeder Tote ist ein Toter zuviel!
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Einstein » 16.11.2015, 14:58

Catrin hat geschrieben:....

Liebe Lisa, ich nehme mir die Freiheit hinzuschauen und betrachte beide Seiten. Und ich habe den Mut, den Mund aufzureißen - hier und jetzt.

Gewalt als Antwort auf Gewalt ist in meinen Augen der falsche Weg! Und jeder Tote ist ein Toter zuviel!
@Catrin

???? Habe ich irgendetwas überlesen???? - oder warum klingt es jetzt so, als sei es meine Ansicht, Gewalt gegen Gewalt???
Man sollte ruhig schreiben was man denkt, nur sollte man es vorher bedenken !
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Catrin » 16.11.2015, 15:12

Nein, hast du nicht. Das bezieht sich nicht auf dich oder auf andere.
Du meinst wohl wegen des "Mund aufreißens" - das bezog sich auf die Aussagen vorher bzw. in meinem zweiten Beitrag gestern abend.
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Zulle » 16.11.2015, 16:33

Catrin hat geschrieben: Ich blicke nicht "noch weiter" sondern überhaupt über den Tellerrand. So schrecklick ich die Anschläge finde, widerstrebt es mir, die Attentäter oder die IS (oder die Moslems generell?) als "Teufel" zu titulieren. Impliziert dieser Ausdruck doch, dass wir ("unsere" Bevölkerungen, "unsere" Regierungen, der Westen generell) die Engel sind. Und dem ist bei Gott !!! nicht so, wie die Links ein wenig zeigen.
Catrin, nun mach mal einen Punkt. Ich bin jetzt sehr verärgert. Wer tituliert denn "die Moslems" als Teufel ? Ich vermische die Kategorien ganz sicher nicht. Und weiter lasse ich mich auf diese/Deine Wortklauberei nicht ein.
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Catrin » 16.11.2015, 16:48

Zulle hat geschrieben: Wer tituliert denn "die Moslems" als Teufel ?
Hier keiner!
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Shorty
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Shorty » 16.11.2015, 16:55

[quote="Charlotte"]
@Marlis
bei Deiner sehr nahegehender Schilderung habe ich auch sofort gedacht "auch ein Teil Deiner Geschichte?".
Es hat mich auch sehr an die Kriegs-Erlebnisse meiner Mutter erinnert, die auch im Alter von 91 Jahren noch sehr präsent in ihren Lebenserinnerungen sind, und sicher auch bei meiner Schwester und mir etwas hinterlassen haben quote]

Kein aktiver Teil meiner Geschichte. Ich bin 1960 geboren. Aber ich bin inmitten schlimmer Erinnerungen und den Ängsten meiner Eltern und Großeltern groß geworden und sie haben teilweise meine Kindheit sehr beeinflußt.

@Petra
Ich glaube nicht, dass Catrin Dich gemeint hat. Hat das sicher auf einige Mitmenschen bezogen, die Stimmung machen.
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Einstein
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Einstein » 16.11.2015, 17:18

Catrin, ich gebe Dir recht; bei den meisten Gewalttaten bricht nicht nur für die Hinterbliebenen der Opfer, auch für die Angehörigen der Täter alles zusammen und die Welt stürzt ein.
Sie sind schnell die Vergessenen oder nicht beachteten Opfer der Täter.
Auch auf dieser Seite gibt es Mütter, Väter, Ehepartner, Geschwister, Freunde.....

Sicherlich leidet jeder von Ihnen unter den Folgen eines Verbrechens, nur dass diese meist von der Gesellschaft nicht auf Mitleid zählen dürfen, , geschweige denn auf Hilfe. Sie sind die Angehörigen der Täter, sie gehören zu denen, die damit klarkommen müssen, dass ihr Kind, ihr Partner, etc. zum Gewalttäter, Mörder oder Totschläger geworden ist.
Selbst wenn es nur 5 Verbrecher sind, die man zählen würde, wie viele Angehörige stehen dann wohl dahinter? Eltern, Ehefrauen, Ehemänner, Kinder, Brüder, Schwestern, Großeltern, Enkel.
Eigentlich zu viele dafür, dass man sie nicht wahrnimmt, und natürlich liegt das auch daran, dass die meisten von ihnen nicht gesehen werden wollen. Das diese Angehörigen sich unsichtbar machen, oft alles aufgeben und irgendwohin ziehen, wo sie unerkannt sind, wo sie versuchen ein neues Leben aufzubauen, wo sie versuchen alleine mit allen Gefühlen von Schuld über Trauer fertig zu werden.
Ja, die Angehörigen stehen auf der dunklen Seite des Verbrechens.
Sie werden geschnitten und totgeschwiegen, weil sonst vielleicht der Eindruck entstehen könnte, als sei ihr Schmerz und ihre Trauer vergleichbar, mit dem der Hinterbliebenen.
Und schließlich, wenn auch finanziell alles zusammenbricht, weil mit dem Täter gleichzeitig der Ernährer der Familie im Gefängnis sitzt, gibt es keine Hilfe, sie müssen mir allem allein fertig werden. Sie sind mit allen Zweifeln, mit allen Vorwürfen, hätte ich doch, hätte ich nicht müssen.... allein.
Sie müssen leben mit den verstohlenen Blicken - oder auch nur mit dem, was man dafür hält, seit man niemandem mehr traut. Nicht mal mehr sich selbst.
Wie soll man sich schließlich noch trauen, wenn man nichts bemerkt hat, all die Jahre? Von den dunklen Geheimnissen, den Phantasien eines Menschen, mit dem man so eng zusammenlebte? Hätte man wirklich nichts verhindern können? Und was hat man vielleicht falsch gemacht, zum Beispiel bei der Erziehung eines Kindes, das nun für den Tod eines oder mehrerer Menschen verantwortlich ist.
Und das Allerschlimmste so finde ich, für den Täter hört das allgemeine Leben auf. Er kommt in den Knast und ist dort behütet und beschützt, oder ist bei seiner Tat selbst getötet worden; er muss das alles nicht aushalten, die Probleme bleiben aber bei den Angehörigen.

Das alles gibt einem schon zu denken.

Aber wie soll ich mit den Angehörigen umgehen, die auch noch gut heißen, was der Täter getan hat?
Wie soll ich mit einer Einstellung zu Recht kommen, mit Menschen die Gewalt oder gar ein Selbstmordattentat als Heldentat glorifizieren oder mit Menschen, die noch mehr geachtet werden und hofiert werden, weil ihr Sohn oder ihre Tochter eine solche "Heldentat" begangen hat?
Wie soll ich das von hier aus unterscheiden?

Ich kann es nicht, weil ich die Hintergründe nicht kenne - weil ich dort nicht lebe.

Ich lebe hier in der westlichen Welt - egal ob ich mit der Politik hier im Reinen bin oder nicht - ich lebe hier.
Hier kann ich kritisieren, kann beurteilen und mir eine Meinung bilden.
Auch wenn ich noch so weit über den Tellerand schaue, es bleibt ein Tellerrand und es bleibt immer eine begrenzte Sicht auf die Dinge da draussen.
Dazu fällt mir gerade ein:

Gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit, das Unabänderliche zu ertragen und die Weisheit, zwischen diesen beiden Dingen die rechte Unterscheidung zu treffen.
Man sollte ruhig schreiben was man denkt, nur sollte man es vorher bedenken !
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Catrin » 16.11.2015, 18:01

Lisa, ich meinte nicht die Angehörigen der Täter, wobei die von dir beschriebenen Aspekte natürlich auch betrachtet werden sollten / können.

Ich meinte die ganz "normale" Bevölkerung, die genauso wie die Menschen in Paris durch Bombardierungen oder Drohnenangriffe aus dem Leben gerissen werden. Das schürt Ohnmacht, Wut und z.T. auch aktive + passive Gewaltbereitschaft unter den dort lebenden persönlich betroffenen und auch nicht betroffenen Menschen genauso wie bei uns das Attentat von Freitag. Und meine Befürchtung ist, dass der jetzt einsetzende Aktionismus die Gewaltspirale noch mehr entfacht.

Petra und Lisa:
Jeder geht mit Tellerrändern anders um und das sollte ich tolerieren. Daher sorry, falls / dass ich euch auf die Füße getreten bin.
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Einstein
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Re: Politik-Rubrik im Cockerforum?

Beitrag von Einstein » 16.11.2015, 18:09

Catrin hat geschrieben: Petra und Lisa:
Jeder geht mit Tellerrändern anders um und das sollte ich tolerieren. Daher sorry, falls / dass ich euch auf die Füße getreten bin.
Was mich angeht.... alles gut :)
Manchmal versteht man den Schreibenden nicht so wie er sich das vorstellt, man kann ja fragen.

Was Du schreibst, leuchtet ein, doch wie will man das verhindern?
Meist ist es doch so - Gewalt erzeugt Gegengewalt.

Meines Erachtens ist unser größter Feind unsere eigene Angst.
Angst lässt uns oft Dinge tun, die wir angstfrei vollkommen anders sehen.
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