Therapeut auf vier Pfoten

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Charlotte
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Beitrag18.05.2017, 10:16 von Charlotte

Was denkst Du denn in welchen Bereich paßt Mika denn zur Zeit am besten?

Wenn Du mit Psych. Pychiatrie meinst ist zu bedenken, dass es bei psychiatrisch erkrankten Menschen immer mal wieder zu unvorhergesehenen Stimmungsschwankungen/Ausbrüchen usw. kommen. Das finde ich für so einen jungen Hund nicht ideal.
Psychosomatik oder ganz bestimmte Störungsbilder könnte ich mir da sicher vorstellen.

Kindergarten ....geht wenn Mika sehr ausgeglichen ist und nicht schnell "hochfährt".

Altenheim finde ich prima.

Ich gehe mal davon aus, dass Du ihn als Brückenbauer für den Zugang zum Menschen einsetzen möchtest.
Auf alle Fälle Klasse was ihr da schon geschafft habt und Du weiterhin planst.
Ich brauche keine guten Vorsätze. Ich bin mit den schlechten noch gar nicht durch.
(SCHWARZER-KAFFEE.NET)

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Einstein
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Beitrag18.05.2017, 11:59 von Einstein

Im Psycho-Bereich müsste sicher eine Differenzierung aufgrund der Krankheitsbilder erfolgen, aber ich gehe davon aus, dass Dir das sicher bewusst und bekannt ist.

Kindergarten??? - keine Ahnung....

Im "Bereich Altenheim" habe ich zufällig festgestellt, dass Nähe/Hautkontakt/Steicheleinheiten sehr wichtig ist.
Bevor wir hierher gezogen sind, haben wir in unmittelbarer Nähe eines Seniorenstifts gelebt. Wenn ich dort mit Einstein spazieren gegangen bin, war immer wieder zu beobachten, wie sehr die älteren Menschen die Nähe in Form von Streicheln und umarmen oder in den Arm nehmen genossen haben. Sogar wenn Einstein mal eine Wange geschleckt oder Hände abgeschlabbert hat, zauberte das bei den meisten eine Freude in die Augen, die unter die Haut geht.

Bei meiner Mutter merke ich diese Weichheit ebenfalls. Sie ist ja fast 90, lebt seit fast 40 Jahren alleine und hat nicht mehr so viel Nähe und Körperkontakt. Wenn wir sie besuchen und Einstein springt zu ihr in den Sessel, kuschelt sich ein und lässt sich ausgiebig den Rücken und die Ohren kraulen, erscheint eine Weichheit, etwas träumendes in Mamis Gesicht, das ist wunderschön zu beobachten. Diese Momente will sie auch immer in die Länge ziehen, sodass ich mit Einstein vorher ausgiebig laufe und tobe, damit er auch die notwendige Ruhe (und Müdigkeit) für eine ausgiebige Kuscheleinheit mitbringt.

Bei meiner Schwiegermutter ist es ähnlich, die ist ja stark Demenzbetroffen. Hier haben wir beobachtet, dass die Begegnung mit Hunden (nicht nur mit Einstein, auch mit den Familienhunden von anderen aus der Familie) wohl eine tiefere Sphäre erreicht, die noch abrufbar ist/war... - ein Hundebesuch wurde ganz anders wahrgenommen und verarbeitet als ein Besuch von uns Menschen. Es ist/war oft, als wenn dieser tiefer ging und stärker berührt hat. Auch hier haben wir festgestellt, das Körperkontakt eine Weichheit und ein Strahlen hervorgerufen hat, da ist erstaunlich.
Das ist auch bei anderen Patienten im Pflegeheim so; sobald sie den Hund streicheln und kuscheln, lächeln und strahlen sie.

Eines habe ich allerdings bei einigen älteren Menschen leider auch - und das nicht nur einmal - feststellen müssen.
Sie werden / sind manchmal nickelig, wie kleine Kinder.
So schaute mir eine ältere Dame frech ins Gesicht, kniff Einstein gleichzeitig ganz doll in den Po und lächelte ganz beglückt, als er jaulte.
Ein älterer Herr streichelte ihn und klatschte dann laut und kräftig vor seinem Gesicht in die Hände und freute sich wie Bolle, als der Hund sich erschreckte.

Mit meinem kleinen Cockerli bin ich diesen Menschen dann aus dem Weg gegangen; Einstein ist schliesslich kein ausgebildeter Therapiehund und ich muss mir so etwas nicht antun.... - leider ist diese "Gefahr" halt immer gegeben.
Altenpflegerinnen erzählten mir, dass das im Umgang mit älteren Menschen wohl öfter passiert.

Ob beruflich oder ehrenamtlich, ich finde es klasse, was Du machst.
Man sollte ruhig schreiben was man denkt, nur sollte man es vorher bedenken !
Im übrigen: "Lächeln ist die beste Art Zähne zu zeigen" (A. Einstein)

lordjim
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Beitrag18.05.2017, 14:00 von lordjim

Vorraussichtlich ab den 1.11 haben Mika und ich eine Stelle in einer Praxis für Ergotherapie.

Bevorzugt werde ich Mika bei Kinder und älteren Menschen einsetzten, da er das einfach kann.
Sein lebhaftes, aber sensibles Wesen bringt Stimmung ins Altenheim. Er animiert die Menschen ihm seinen Ball zu werfen oder ihm Spielzeuge zu befüllen (Thema Mobilisierung und Fein/Grobmotorik)
Er schafft es Flure zu füllen, da er mit seinem Ball rumkaspert und wenn wir weiter ziehen sitzen die alten Leute und reden noch weiter über den Hund.
Betreten wir ein Zimmer mit einer bettlägigen kann er es kaum erwarten, dass ich das Bettgitter runterkappe und er sich daneben legen kann.
Zu Beginn holt er sich sein Leberwurst Brot im Schwesternzimmer ab ;)
Ich mache es zum Beispiel mit Mika anders rum, vor einem Einsatz geht es nur raus zum lösen und danach laufen wir eine große Runde, damit er Dampf ablassen kann.
Ich dachte auch am Anfang anders rum ist für den Hund einfacher, aber so haben wir unseren Weg gefunden.

Im Kindergarten ist Mika ganz anders. Da ist er geduldig und ruhig. Er setzt sich neben die Kinder, die ruhig sind und ignoriert die unruhigen Kinder. Das ist finde ich persönlich total toll.
Im Kindergarten hatten wir das Projekt “Hundeführerschein“ das ist super gut angekommen. Aber ich wollte es noch ein bisschen ausfeiklen und fände es mal interessant zu hören, was euch da wichtig wäre Was vermittelt wird

Psych ( ja damit ist der ganze Bereich Menschen mit psychischen Erkrankungen gemeint, war bis jetzt Mikas schwächster Einsatz, aber es war unser erster Einsatz und die Leute waren super zufrieden, dazu hatte ich mal einen Zeitungsartikel über Mika gepostet. Da fehlen mir auch noch so ein bisschen die Ideen, dass ist wie im Kindergarten auch ein Gruppenangebot.
Clara mit
Mika(*30.03.2014) Indiana Jones vom Hof Sonnenschein
Henry (*13.04.2015) Balduin vom Schwalbengrund

und Jim ganz tief im Herzen

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Buddy
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Beitrag18.05.2017, 14:39 von Buddy

Hier bin ich nur in der lesenden Funktion unterwegs. Ich finde eure Erfahrungen und die Arbeit der Hunde interessant. Aber es ist ein Bereich der für mich absolutes Neuland ist.

Daher lese ich hier nur mit und lerne.
Claudia mit Buddy, Yuri und Enya und dem Seelenhund Lanya fest im Herzen.
- “Wer hohe Türme bauen will, muß lange beim Fundament verweilen.”
Anton Bruckner (1824-1896), Komponist-

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Charlotte
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Beitrag18.05.2017, 15:00 von Charlotte

Clara, bei dem tiergestützten Therapieangebot für psychiatrisch erkrankte Menschen geht es da um stationäre oder ambulante Patienten? Und weißt Du wie diese Gruppe zusammengesetzt ist?
Ich brauche keine guten Vorsätze. Ich bin mit den schlechten noch gar nicht durch.
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Einstein
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Beitrag18.05.2017, 15:04 von Einstein

"Im Kindergarten hatten wir das Projekt “Hundeführerschein“ das ist super gut angekommen. Aber ich wollte es noch ein bisschen ausfeiklen und fände es mal interessant zu hören, was euch da wichtig wäre Was vermittelt wird"

Das hatten wir vor Jahren einmal am Hundeplatz als "Seminar": Kind und Hund.

Ich fand damals folgendes sehr wichtig: (leider habe ich den alten Flyer und die Unterlagen nicht mehr :( )

1. nicht jeder Hund ist gleich - eigene Hunde/fremde Hund;
2. daraus resultierend - fremde Hunde - Verhalten...
3. Begegnungen im Alltag - angeleinter Hund, freier Hund (mit Herrchen / ohne Herrchen)
4. ein Hund ist kein Stofftier, er hat Gefühle in jedem Bereich
5. Hundegefühle: sich fürchten, sich freuen, traurig sein, sich unwohl fühlen
6. Freiräume aufzeigen: - wenn der Hund seine Ruhe haben will, ein schlafender Hund, ein fressender Hund
7. Beobachtungen (gerade Kinder sehen viel mehr)
8. Hundepflege (bürsten, kämmen, Zähne putzen)
9. ein kranker Hund (Krankheiten, Unfall, Verletzungen....)
10. ein alter Hund

Ganz wichtig für alle Eltern: auch Kinder kann man "an die Leine nehmen", wenn man Hunden begegnet!

Wir vieles mit den Hunden demonstriert - ganz toll kam an, einem Hund die Zähne putzen, erstaunlicherweise :mrgreen: kämmen und bürsten bei den meisten Mädels..., einen Verband anlegen....

Wir hatten damals bewusst drauf verzichtet in den Bereich Hundesport, Training etc. zu gehen, weil das für eine form von Allgemeinwissen u. E. zu speziell wäre. Die Aufnahmefähigkeit der Kleenen ist dann doch recht schnell erschöpft und dann bleibt nicht so viel hängen.
Man kann natürlich auch 2 oder 3 x so etwas gestalten und dann mehr ins Detail gehen.

Ganz stolz waren die Kleenen damals, weil wir auch einen richtigen Hundeführerschein ausgestellt hatten.

Vielleicht kannste da was mit anfangen....
Man sollte ruhig schreiben was man denkt, nur sollte man es vorher bedenken !
Im übrigen: "Lächeln ist die beste Art Zähne zu zeigen" (A. Einstein)

lordjim
Beiträge: 645

Beitrag18.05.2017, 20:44 von lordjim

Ja das sind doch noch mal spannende Sachen.

Wir hatten damals noch

1. Wie gebe ich einen Hund, ein Leckerlie (vor allem Fremden Hunden)
Da habe ich dann anhand von Mika den Kindern den Unterschied gezeigt, wie es ist dem Hund ein Lecker mit der flachen Hand zu geben oder wenn ich das Lecker zwischen zwei Finger habe. Bei der flachen Hand berührt der Hund die Hand von außen, befindet sich das Lecker zwischen zwei Fingern gehen die Finger schnell ins Maul des Hundes.Das fanden die Kinder spannend.
2. Wie reagiere ich wenn ein unangeleinter Hund auf mich zu gerannt kommt. Renn ich weg, rennt der Hund mir hinterher, bleibe ich stehen und drehe ich mich weg, ignoriert mich der Hund. Auch das konnten die Kinder mit Mika ausprobieren.
3. Was mache ich, wenn ich einen fremden Hund streicheln möchte. (Fragen, dir Hand zum schnuppern hinhalten) mir ist oft in der Stadt passiert, das fremde Kinder meinen Hund einfach angetascht haben, dass kann gefährlich enden.

Bezüglich Hängen bleiben, alles was die Kinder selber ausprobieren durften ist sehr gut hängen geblieben.


Im psychisch kranken Bereich handelt es sich um ambulante Patienten zumindestens bis jetzt.

Aber auch ausstehende Menschen, die damit nichts zu tun haben können gerne ihren Input dazu geben.
1. Was wünscht euch, was bei euren Kindern vermittelt wird.
2. Welche Fragen hättet ihr
3. Was ist euch wichtig zu erfahren
4. Welche Regeln würde es bei euch geben?
5. Was sind eure Erwartungen an die tiergestützte Therapeutin oder generell an die tiergestützte Therapie
6. Würdet ihr eure Kinder in einer Praxis anmelden die tiergesützt arbeitet oder selber dort hingehen
Dürfte der Hund bei euren pflegebedürftigen Eltern/Verwandten ins Bett?
Usw und sf
Clara mit
Mika(*30.03.2014) Indiana Jones vom Hof Sonnenschein
Henry (*13.04.2015) Balduin vom Schwalbengrund

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lordjim
Beiträge: 645

Beitrag18.05.2017, 20:53 von lordjim

Ach noch was Lisa, was ich grade noch vergessen habe.
Die wichtigste Aufgabe des Therapeuten ist der Schutz des eigenen Hundes.
Das heißt nur, weil er sich Therapiehund nennt, muss er nicht alles ertragen müssen. Er darf Menschen ausweichen, die ihm unangenehm sind und auch bei Menschen die kneifen oder sonst “böse“ sind werden mit vorsicht genossen und bei Bedarf eingeschritten.

Auch bin ich noch am überlegen, wie ich ihn Kenntzeichne, zur Zeit ist am Geschirr ein Schriftzug “Therapiehund“ dran bzw. Ist in Arbeit. Geschirr finde ich wichtig, wenn ihn fremde Menschen die Leine nehmen, stört aber irgendwie beim Streicheln. Da ist es schöner “nackig“ oder mit Halsband. Nackig kann ich ihn aber wenn nötig nicht so schnell greifen. Am Halsband und Geschirr, können wiederum sich alle anderen auch festgreifen.
Clara mit
Mika(*30.03.2014) Indiana Jones vom Hof Sonnenschein
Henry (*13.04.2015) Balduin vom Schwalbengrund

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Shorty
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Beitrag18.05.2017, 22:53 von Shorty

fantastische Traumhunde. -d-
Macht sicher unendlich Spaß die Arbeit mit Mensch und Hund.

Leider habe ich sowas nicht zuhause. Aber fantastisch ist mein Chaot auf seine Weise auch :D
Ich bin nicht auf der Welt um so zu sein wie andere mich gern hätten

lordjim
Beiträge: 645

Beitrag13.06.2017, 21:54 von lordjim

Neue Bilder von Mika. Leider bekomme ich es nicht hin Mika in Aktion zu knipsen, da muss ich mir mal einen Fotograf mitnehmen :D
In den nächsten Monaten wird auch ein Zeitungsartikel veröffentlich über seine Arbeit im Heim.

Bei den letzten Malen haben wir nicht viel mit Mika gelagert, da es immer über 20 Grad war und auch die Räume sehr warm werden...
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