heute ist es wieder passiert.

chelsea
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heute ist es wieder passiert.

Beitrag von chelsea » 12.11.2014, 18:43

heute ist der "prof max" meiner freundin über die RBB gegangen.

es nimmt mich immer wieder mit, wenn ein geliebtes tier diese welt verlassen muss. immer wieder stellt sich mir die frage: ist es besser dem unausweichlichen ins auge zu sehen, oder besser wenn es uns unverhoft trifft?

ich habe persönlich schon beide variationen erleben müssen und ich denke es macht einen unterschied, wenn man sich darauf vorbeireiten kann oder wenn es einen unverhofft trifft.

wie seht ihr das?
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Colja
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Re: heute ist es wieder passiert.

Beitrag von Colja » 12.11.2014, 19:20

Oh Mann, das tut mir schrecklich leid für Deine Freundin und für Dich, liebe Karin.

Ich habe bis jetzt "nur" ein Tierchen gehen lassen müssen, einen noch ganz jungen Kater, der uns zugelaufen war (damals offenbar schon unheilbar krank, aber topfit). Mit ca. anderthalb Jahren wurde innerhalb von 3 Wochen immer schwächer - bis uns dann die Blutuntersuchung den schrecklichen Befund FIV (Katzenaids) brachte. Ich war eigentlich fest davon ausgegangen, dass der Kleine wieder gesund wird, was anderes kam gar nicht in Frage. Also eigentlich keine Zeit, sich auf was Schlimmes einzustellen. Die Diagnose dann, und zu hören, dass wir sein Befinden nicht mehr wirklich ändern können, hat mich so erschüttert. Weil er schon so schwach war, hab ich mich gemeinsam mit der TÄ dafür entschieden, ihn einschlafen zu lassen. Mir ging´s dreckig. Und meine Familie erwartete uns zu Hause, eigentlich mit der Nachricht, dass es jetzt wieder bergauf geht - und ich kam heulenderweise mit einem Kistchen mit dem toten Moritz drin zurück. Er hat im Garten ein schönes sonniges Plätzchen gefunden.

Vielleicht ist es ja wenigstens ein bisschen leichter, wenn es nicht so plötzlich kommt - aber ich weiß es nicht, ich kenne ja nur die andere Variante.

Fühl Dich gedrückt, liebe Karin.

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Buddy
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Re: heute ist es wieder passiert.

Beitrag von Buddy » 12.11.2014, 19:21

Ein schwieriges Thema, aber eins mit dem ich jeder von uns auseinander setzten muss. Erst mal mein Beileid für Deine Freundin und auch für dich. Es nimmt einen ja immer mit, wenn man das Tier kennt.

Zu deiner Frage, ich kann es nicht beurteilen wie es ist, wenn es einen überraschend trifft, da mir das bis jetzt noch nicht passiert ist.

Meine Tiere waren mehr oder weniger krank und wir hatten Zeit uns vorzubereiten das wir sie gehen lassen müssen.

Ich denke das ist einfacher, wenn man bei diesem Thema von einfacher sprechen kann.

Aber man hat auch zweifel, tut man das richtige, entscheidet man richtig. Ist es der richtige Zeitpunkt.
Claudia mit Buddy, Yuri und Enya und dem Seelenhund Lanya fest im Herzen.
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JasminP
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Re: heute ist es wieder passiert.

Beitrag von JasminP » 12.11.2014, 19:42

Für mich persönlich war es immer sehr schlimm wenn meine Lieblinge plötzlich durch einen Unfall aus den Leben gerissen wurden-was bei unseren Katzen leider ab und an der Fall war. Man konnte sie nicht einsperren-das wäre für sie Folter gewesen-es waren Bauernhofkatzen und Freigang gewöhnt-aber da war immer das Risiko der Straße. Wir wohnen zwar ländlich aber die Straße ist leider nicht allzu weit weg. In den letzen ~8 Jahren ist da zum Glück nichts mehr passiert. Ich finde es einfach furchtbar wenn das Tier so weit vor seiner Zeit gehen muss, es tut so weh wenn man daran denkt, was es noch für ein schönes langes Leben hätte haben können.
Wurden unsere Tiere im hohen Alter aufgrund von schwerer Krankheit eingeschläfert war es zwar auch furchtbar aber ich fand wenigstens etwas Trost darin, dass sie ein schönes langes Leben haben durften und sie zum Schluß dann nicht leiden mussten. Nicht immer konnten wir uns da darauf vorbereiten auch da musste man manchmal eine schnelle Entscheidung treffen.
Im Januar diesen Jahres musste eine unserer Katzen eingeschläfert werden-sie litt an einem fortschreitenden unaufhaltbaren Muskelschwund-beginnend in einer Vorderpfote und breitete sich dann auch auf das andere Bein aus. Es war schlimm die Krankheit fortschreiten zu sehen und ich konnte mich lange nicht dazu durchringen sie einschläfern zu lassen. Sie hat noch mit solchem Genuß gefressen und die Streicheleinheiten genossen-obwohl sie schon so schwach war dass sie fast nur noch auf ihren Kissen lag-da habe ichs nicht über mich gebracht. Zum Schluß habe ich sie noch mit der Hand gefüttert, weil sie so schwach war, aufs Katzenklo ging sie aber noch selbstständig unter Aufbietung all ihrer Kräfte, da hat sie sich auch nicht helfen lassen. Als ich dann aber sah, dass sie dazu bald nicht mehr in der Lage sein würde konnte ich endlich den schweren Weg gehen und sie gehen lassen. Ich denke oft ob ich sie nicht schon viel früher hätte gehen lassen sollen. An diesem Abend weinte ich mir die Augen aus-aber das Gefühl dass sie endlich von ihren Schmerzen erlöst war half mir über die Trauer hinwegzukommen. Das Schlimmste ist wirklich diese Entscheidung zu treffen. Danach als ich spürte, dass es so richtig war, fühlte ich mich wieder besser.
Ich würde jetzt nicht sagen dass es weniger schlimm war wenn man sich darauf vorbereiten konnte. Als wir den Tierarzt anriefen damit er sie erlöst und uns noch etwas Zeit zum Abschied nehmen wollten, war das auf seine Art auch furchtbar-zu wissen jetzt ist es nicht mehr lang bis sie geht.
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Re: heute ist es wieder passiert.

Beitrag von Greeta » 12.11.2014, 19:56

Ach Karin, fühl Dich mal gedrückt. Das tut mir so leid für Euch. :(

Zu Deiner Frage, tja, ist gar nicht so einfach zu beantworten....

Aber ich denke, es ist vielleicht "einfacher" (wenn man überhaupt von einfacher sprechen kann...), wenn ein Tier nach langer Krankheit gehen muss, weil man sich dann langsam auf den Abschied vorbereiten kann.
LG
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Re: heute ist es wieder passiert.

Beitrag von Sabine, Grille, Hummel » 12.11.2014, 22:55

Mein Beileid und Mitgefühl zum Verlust den Deine Freundin hat!

Wenn man über das unabänderliche Bescheid weiss, ist es einfacher nach dem Verlust los zu lassen!
Vorbereiten kann man sich nicht, denn der Schluß kommt trotzdem plötzlich! Jedoch ist die Trauer eine andere! Sie ist zwar genauso einschneidend aber nicht so lange greifbar. Der innere Frieden kommt viel eher als bei einem plötzlichen Dahinscheiden! Es gibt auch keine Fragen mehr die offen sind. Kein Zweifel nagt an einem "Was wäre gewesen wenn ...!?"

Der plötzliche Tod ist die grausamste Prüfung die man erleben kann. Keiner ist da, der einem Fragen beantworten kann! Es ist als ob man ins Leere läuft! Man wird vor vollendete Tatsachen gestellt und steht mit leeren Händen da! Die Trauer die dann folgt und möglicherweise die erlebte Abfolge zerreisst einen und verfolgen einen Jahre lang! Wer hier behauptet das Zeit alle Wunden heilt, der liegt falsch! Diese Wunde heilt nie!
Cocker sind wie eine Frikadelle - da ist alles drin!

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Einstein
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Re: heute ist es wieder passiert.

Beitrag von Einstein » 13.11.2014, 09:53

Meine Erfahrung ist, dass man sich weder wirklich vorbereiten kann, noch kann man "nachbereiten" - Schmerz und Trauer müssen sowohl als auch angenommen, gelebt und bewältigt werden.
Und egal ob bestimmt oder plötzlich - es bleibt immer dieses Gefühl... ich hätte noch so gern...

Ich denke oft an eine Kombination aus beidem , die ich erlebt habe und ich danke heute noch unserem Schutzengel, dass er uns auf diese Weise unterstützt hat und mir letztlich die Entscheidung abgenommen hat.
Mein kleiner Yorki (+ 17) hatte Darmkrebs, er bekam seine Medis, und wir hatten irgendwann einen "Deal" - geschlossen: Wenn es ihm trotz Medikamenten mehr als 24 Stunden schlecht geht, schläft er in meinen Armen ein. Irgendwann hatten wir einen neuen deal , 36 Stunden....
und noch einen... 48 Stunden.
Nein, er musste in dieser Zeit nicht leiden, er bekam seine Medikamente und doch wurde er langsam aber sicher im allgemeinen immer schwächer und seine Lebensqualität lies nach.
Wir wussten, der Tag X wird kommen, es liegt letztlich in meiner Entscheidung - aber die Hoffnung stirbt zuletzt.
Seine Augen waren fast blind, seine Ohren fast taub aber sein Näschen war immer noch intakt - eine läufige Hündin und er war nicht 17 sondern 7... - an seinem letzten Tag hat ihn sein Näschen in den Tod geführt. Er ist ausgebüchst, hinter einem Spaziergänger mit Hündin her und hat den Zug nicht mehr gehört. Er war sofort tot.
Auf seinem Grab steht eine wunderschöne Trauerweide, die habe ich für ihn gepflanzt, weil er unter einem solchen Baum immer sehr gerne gelegen und geträumt hat. Immer wenn ich heute in den Ruhrpott fahre, sehe ich den Baum von der Strasse aus. Das ist wie ein kleiner Gruss von meinem Max.

Die Problematik ist für mich, den richtigen Zeitpunkt zu finden und den Tod bestimmen zu müssen.
Es mag feige sein, doch mir ist es "lieber", wenn das Schicksal uns diese Entscheidung abnimmt.
Bewusst die Entscheidung treffen müssen - heute ist Tag X, und ganz hinten, tief versteckt bleibt immer die Frage - hätte es nicht noch besser werden können???
Diese Frage habe ich mir leider schon öfter stellen müssen und was blieb war jedes Mal ein dicker Kloss im Hals.

Da mag der Verstand noch so sagen: es war besser so, es musste sein... - mein Herz dachte immer anders und der Schmerz den ich fühlen musste, kann kein Verstand und keine Logik zum Verstummen bringen.

Die Zeit heilt keine Wunden - und doch heilt eine Wunde - irgendwann - aber es bleibt eine Narbe zurück! Manche sieht man, einige sieht man nicht und manche spürt man immer - ganz tief im Herzen...

Deiner Bekannten mein Beileid.
Man sollte ruhig schreiben was man denkt, nur sollte man es vorher bedenken !
Im übrigen: "Lächeln ist die beste Art Zähne zu zeigen" (A. Einstein)

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Re: heute ist es wieder passiert.

Beitrag von chelsea » 13.11.2014, 11:04

ihr habt alle irgendwo recht. gänsehaut hatte ich beim lesen.

stimmt sabine, muss ein tier plötzlich gehen zieht es dir regelrecht den boden unter den füssen weg. auch das die trauer eine ganz andere ist kann ich bestätigen. was lisa schreibt mit der frist, so ging es mir bei meinen ersten hunden, heute denke ich man findet instinktiv den richtigen moment.

auch wenn es aktuell nicht mein hund war, so haben wir ihn zusammen im franz tierheim geholt. bewusst ein älterer hund sollte es sein vermutl war er 16 jahre als er ging. das schlimmste ist, man weiss um den schmerz kennt das gefühl plötzl mit leeren händen da zu stehen und kann nicht helfen. ist das tier einmal so alt geworden, ist es vermutl ein kleiner trost weil der verstand es besser greifen kann. meinen ersten DS habe ich mit 6 Mon verloren,deshalb sollte man sich immer vor augen halten, es kann jederzeit vorbei sein. auch wenn wir die lebenserwartung im hinterkopf haben.

einfach ein fürchterliches thema
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Re: heute ist es wieder passiert.

Beitrag von Charlotte » 13.11.2014, 11:39

Einstein hat geschrieben:Die Problematik ist für mich, den richtigen Zeitpunkt zu finden und den Tod bestimmen zu müssen.
Es mag feige sein, doch mir ist es "lieber", wenn das Schicksal uns diese Entscheidung abnimmt.
Bewusst die Entscheidung treffen müssen - heute ist Tag X, und ganz hinten, tief versteckt bleibt immer die Frage - hätte es nicht noch besser werden können???
Diese Frage habe ich mir leider schon öfter stellen müssen und was blieb war jedes Mal ein dicker Kloss im Hals.
Lisa, das was Du hier ansprichst ist ein ganz wunder Punkt bei mir, über den ich nachdenke und mit dem ich mich in unterschiedlichen Facetten viel beschäftige.
Ich hoffe auch immer darauf, diese Entscheidung nicht treffen zu müssen und feige finde es gar nicht, sondern mutig sich auch den sehr schwierigen und manchmal auch diffusen, dazugehörenden Gedanken zu stellen.

Warum hoffe ich, dass mir solch eine Entscheidung erspart bleibt?

Zunächst mal blicke ich auf menschlichen Leben und Sterben

Ich denke geboren zu werden, ist eine sehr anstrengende Aufgabe für beide Seiten.
Sterben ist auch ein anstrengener Prozess mit vielen Phasen die durchlaufen werden müssen.
Da geht die Spirale der Gefühle und Verarbeitung von " es nicht wahrhaben wollen/können mit vielen weiteren schwierigen Phasen bis möglicherweise zu einer Akzeptanz....oder auch nicht.
Sind sie wirklich so unerträglich wie es dem "Begleiter" vorkommt....und wenn ja... für wen am meisten.
Greifen wir möglicherweise ein, weil es für uns in der Hilflosigkeit des mit-aushalten- wollens so schwer erträglich ist.....

das alles geht mir durch den Kopf, wenn eines meiner Tiere gehen muß.....und ja, ich habe diesen Schritt des "Zeitpunk-festlegens" für ein geliebtes Tier auch schon getan..tun müssen?
Wenn die Schmerzsituation nicht händelbar ist...wird es für mich klarer und damit ein "bißchen einfacher".

Und ich hoffe immer wieder darauf, vor dieser Entscheidung nicht zu stehen.

Um noch mal auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen...
Ich glaube ob ein erwarteter oder plötzlicher Verlust einfacher oder schwerer zu ertragen ist, ist nur sehr individuell und situationsabhängig zu beantworten.
Ich brauche keine guten Vorsätze. Ich bin mit den schlechten noch gar nicht durch.
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Re: heute ist es wieder passiert.

Beitrag von Nicola » 13.11.2014, 11:47

„Abschied“ ist bis heute ein Thema für mich, das mir den Hals zuschnürt und Tränen in die Augen treibt!

Schreiben kann ich nicht ausführlich darüber, auch wenn es bei meiner „Jassi“ (rote Cockerhündin) schon über 16 Jahre zurückliegt. Damals hat mich das „entscheiden/handeln müssen„ komplett aus der Bahn geworfen… ich war auf die Diagnose nicht vorbereitet und es gab keine Heilungsmöglichkeit. Sie schlief in der TA-Praxis in meinen Armen ein - meine erste große Liebe.

Nach dieser Erfahrung war für mich klar, dass Jassis Nachfolger Murphy nicht allein bleiben sollte. Nie wieder wollte ich so „allein“ zurückbleiben. Egoistisch - ich weiß.
Also wurde Mex Murphy´s Anhängsel und wir erlebten unzählige, unbezahlbare Augenblicke. Meine Jungs!

Dass es das Schicksal völlig anders vorsah und ich nicht einmal die Zeit bekam mir darüber klar zu werden, was geschah, war ich wieder „allein“ und ohne meine Jungs.

Alles, was ich sagen kann, ist, dass es immer und immer schrecklich weh tat, egal, ob es mich „aus heiterem Himmel“ traf, oder ich „vorbereitet“ war.
Aber, was ich auch sagen kann, ist, ich würde immer wieder diesen Weg MIT meinen Hunden gehen, gleich wie weh es tut, gleich wie lange mich Zweifel plagen, gleich wie lange ich traurig bin.

Gemeinsam - bis zum Schluß - bis wir uns wiedersehen…

Mein Beileid für Deine Bekannte.
________________________
Gruß Nicola mit Mex & Murphy im Herzen

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Re: heute ist es wieder passiert.

Beitrag von Einstein » 13.11.2014, 12:48

... der richtige Moment...

Es gibt ihn nicht DEN Moment, es wird immer etwas sein, etwas bleiben... - bevor man sich besinnt, das es der richtige Moment sein könnte, ist er schon wieder entschwunden denn die Gedanken kreisen wieder und kreisen weiter .... - dann ist er schon wieder weg dieser eine Moment....

Im Rahmen von Patientenverfügungen rät man ab, dass ein "zu nahe" stehender Mensch bestimmt wird um Entscheidungen zu treffen - man sollte immer einen etwas "unbeteiligten" zu Rate ziehen um den richtigen Moment zu bestimmen.
Man sollte ruhig schreiben was man denkt, nur sollte man es vorher bedenken !
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Re: heute ist es wieder passiert.

Beitrag von Greeta » 13.11.2014, 13:14

Wenn ich dass jetzt lese, was Ihr so schreibt auch von Euren Erfahrungen, wird mir richtig angst und bange bei der Vorstellung, dass Greeta irgendwann mal geht.... :cry:

Ich hätte nie gedacht, dass man ein Tier so sehr lieben kann, es ist schon erstaunlich, wie sehr sie unser Herz erobert hat und dann diese bedingungslose Liebe, die sie uns zurückgibt. Was haben wir in der letzten Zeit gebangt und geweint, als sie nicht gefressen hat, es war schrecklich. Zum Glück geht es ihr wieder gut, aber das zeigt einem auch, wie schnell sich das Blatt wenden kann und dann ist man auch nicht vorbereitet.....

Ich denke auch, den "richtigen" Moment wird es nicht geben.....
LG
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Re: heute ist es wieder passiert.

Beitrag von Sabine, Grille, Hummel » 13.11.2014, 13:19

Einstein hat geschrieben:... der richtige Moment...

Es gibt ihn nicht DEN Moment,
Für manche Menschen gibt es ihn!
Ich kann es nicht erklären, nur beschreiben. Vielleicht liegt es an der individuellen Psyche.
Ich hab ihn gesehen - diesen Moment! Für Sekunden! Die aber so real waren wie das Glas Wasser das gerade neben mir steht! Ich sah das schwarze Etwas, den Mantel, den Schatten, das Tuch - das über Hummel lag/schwebte, an dem Morgen bevor wir zum TA fuhren. In dem Augenblick wußte ich es! Ich wußte das sie gehen muss! Das es keinen anderen Weg gibt!
Und so aufgewühlt ich war - es gab mir ein klein bisschen Frieden und innere Ruhe! Letzteres hat mir überhaupt geholfen den letzten Schritt gemeinsam mit ihr zu gehen!
Einstein hat geschrieben:... es wird immer etwas sein, etwas bleiben... - bevor man sich besinnt, das es der richtige Moment sein könnte, ist er schon wieder entschwunden denn die Gedanken kreisen wieder und kreisen weiter .... - dann ist er schon wieder weg dieser eine Moment....
DAS war genau die Situation einen Tag vorher, wie ich die Diagnose bekam! Dann geht es los! Dieses gedankliche Kreisen um die Tatsache! Die Suche nach dem Ausweg! Man läuft vor sich selber weg! Man läuft in diesen Kreis! Der Ausgang ist nicht zu finden! Ist nicht wieder zu finden!
Denn der Ausgang der einem geboten wurde, den hat man nicht genommen!
Cocker sind wie eine Frikadelle - da ist alles drin!

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Re: heute ist es wieder passiert.

Beitrag von MEmma » 13.11.2014, 13:36

Vor dieser Entscheidung stand ich vor fast einem Jahr.

Mitte des Jahre fing es damit an das Emma immer umgefallen ist, gezuckt hat, dann aber wieder Aufstand als wäre nichts gewesen. Meine TÄ hatte erst keine Ahnung, nach 14 Tagen waren wir bei ca. 5 x umfallen am Tag. Durch einen Zufall, wir mussten lange in der Praxis warten, hatte Emma dann mal so einen " Anfall" in der Praxis. Da stellte sie dann fest das es das Herz ist. Emma hatte Herz Aussetzer. Die Diagnose wurde uns in Oldenburg in der Klinik bestätigt. AV Block dritten Grades. Schlimmer geht nicht. Beim Menschen hätte man einfach einen Herzschrittmacher eingesetzt, bei einer 12 jährigen Hündin kann man aber nichts machen. Der Doc sagte mir ich solle ihr eine schöne Zeit machen und das sie jederzeit bei einem solchen Aussetzer sterben kann :cry:

Letztendlich haben wir es noch bis Dezember geschafft. Ohne weitere Anfälle! Wir haben homöopathisch behandelt und ein Leben ohne Aufregung und Stress. Im Dezember fiel mir dann auf das sie schlecht Luft bekam, gleich am Montag zum TÄ, die bekam AB gegen ein vermeintliche Erkältung, Dienstag ging es ihr schlechter, wir wechselten das AB. Mittwoch hörte sie auf zu fressen, das gab es noch nie! Nichtmal Wurst oder Kekse blieben drin. Wenn Sie frass, wurde alles sofort erbrochen. Die Nacht auf Donnerstag erbrach sie nur noch Galle, war apathisch und kotete in die Wohnung. Ich war jede Stunde mit ihr draußen. Morgens wollte sie wieder in die Wohnung koten, ich schob wie schnell zur Tür raus, zog mich an und der Hund war weg!
Mein Mann ist dann los und hat sie gesucht, ich hab derweil schnell meinen Sohn fertig gemacht und meine Mutter angerufen. Sie übernahm Thilo und ich bin mit Emma sofort zum TÄ gefahren.

Mein Mann fand sie in der letzten Ecke im Garten wie sie apathisch gen Himmel starrte.

Im Körbchen hab ich sie in die Praxis getragen, sie wollte nichtmal mehr laufen. Sie kam sofort an eine Infusion, wir haben geröntgt und Metastasen an der Wirbelsäule gesehen, aber nichts dramatisches. ( sie hatte vorher schon Krebs in jüngeren jahren)
Ich saß mit ihr dann in einem Nebenraum am Tropf und kuschelte mit ihr. Die TÄ schaute dann nochmal nach uns, wir warteten auf die Blutergebnisse.
Dann kollabierte Emma in meinen Armen, ihre Augen gingen weg und da wusste ich das ich ihr nichts weiter zumuten kann. Ich schaute meine TÄ an und sagte ihr das hier nun Schluss ist. Sie war der gleichen Meinung und wir haben Emma eingeschläfert. In meinen Armen ist sie gegangen. Das hab ich ihr immer versprochen, bis zum Schluss bin ich da!

Beim tippen dieser Zeilen steigen mir wieder die Tränen in die Augen. Sie war mein absoluter Seelenhund, mich gab es nicht ohne Emma.
Aber die Entscheidung war für mich und Emma absolut die richtige. Ich freue mich das ich mit ihr noch fast ein halbes Jahr hatte, trotz der schlechten Diagnose aus Oldenburg. Ich bin der Meinung man weiß in dem Moment wann der richtige Zeitpunkt da ist.

Lieben heißt eben auch loslassen!

Ich wünsche deiner Bekannten viel Kraft!
LG Meike mit Charlotte
Und Emma im Herzen

Tauber Hund? Na und!

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Charlotte
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Re: heute ist es wieder passiert.

Beitrag von Charlotte » 13.11.2014, 13:43

MEmma hat geschrieben:Aber die Entscheidung war für mich und Emma absolut die richtige.
So klingt das auch, Meike
Auch in diesem Moment ward ihr dicht beisammen und es war dann auch eine gute Entscheidung.
Du hast das sehr anrührend beschrieben.
Ich brauche keine guten Vorsätze. Ich bin mit den schlechten noch gar nicht durch.
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Re: heute ist es wieder passiert.

Beitrag von Catrin » 13.11.2014, 14:30

Einstein hat geschrieben:Die Problematik ist für mich, den richtigen Zeitpunkt zu finden und den Tod bestimmen zu müssen.
Es mag feige sein, doch mir ist es "lieber", wenn das Schicksal uns diese Entscheidung abnimmt.
... bzw. das Tier selbst.

Die Frage ist für mich, ob schwer kranke Tiere nicht für uns am Leben bleiben. Wenn wir es schaffen, sie loszulassen und ihnen die "Erlaubnis" geben zu gehen, dann können sie den Zeitpunkt selbst bestimmen. Eine Hündin von mir ging - als ich soweit war und es ihr laut sagte - in der darauffolgenden Nacht.
Charlotte hat geschrieben:Greifen wir möglicherweise ein, weil es für uns in der Hilflosigkeit des mit-aushalten- wollens so schwer erträglich ist.....
Ja, zum Teil glaube ich das. Das Begleiten schwer kranker Tiere ist schon nicht einfach und manche Menschen werden "die Entscheidung" wohl daher auch früher als nötig treffen. Da reicht z.T. wohl schon die Diagnose "Krebs" und die damit gesellschaftlich verknüpfte Vorstellung von Leid und Tod. Daher finde ich die Geschichte von Nele so ermutigend.
Das Begleiten sterbender Tiere und natürlich auch Menschen ist dann häufig gar nicht auszuhalten. Menschen kommen ins Pflegeheim, wenn sie Glück haben in ein Hospiz, Tiere werden eingeschläfert.
Auch wenn sich das für einige wieder anders anhört: Ich persönlich toleriere jede Entscheidung, weil ich möchte, dass auch meine nicht in Frage gestellt wird.

Mich haben ein Hund und Katzen sehr plötzlich durch Unfälle verlassen und auch nach kurzen Erkrankungen. Einige durfte ich über längere Zeit begleiten und habe für meinen ersten Cocker den Zeitpunkt bestimmt. Sein Sterbensprozess war für mich traumatisch. Daher habe ich meine nächste Hündin bis zu ihrem Tod begleitet und sie ist zuhause in ihrem Körbchen und in meinen Armen gegangen.
Aktuell begleite ich Lilly, hoffe, bete, sehe gute und schlechte Tage, bin mal wütend, mal voller (Selbst)Mitleid, dann wieder voller Dankbarkeit, dass sie ihr Leben mit mir teilt... alles in allem ist jeder gemeinsame Tag ein Geschenk... und sie weiß (hoffentlich), dass sie jederzeit gehen darf.

In meiner Vorstellung führen auch Tiere ein selbst-gewähltes Leben/Schicksal, so wie in diesem Gedicht beschrieben, das wohl fälschlicherweise Hermann Hesse zugeschrieben wird.

Ehe ich in dieses Erdenleben kam,
ward mir gezeigt, wie ich es leben würde:
Da war Kümmernis, da war Gram,
da war Elend und Leidensbürde.
Da war Laster, das mich packen sollte,
da war Irrtum, der gefangen nahm,
da war der schnelle Zorn, in dem ich grollte,
da waren Hass und Hochmut, Stolz und Scham.

Doch da waren auch die Freuden jener Tage,
die voller Licht und schöner Träume sind,
wo Klage nicht mehr ist und nicht mehr Plage
und überall der Quell der Gaben rinnt.
Wo Liebe dem, der noch im Erdenkleid gebunden,
die Seligkeit des Losgelösten schenkt,
wo sich der Mensch der Menschenpein entwunden
als Auserwählter hoher Geister denkt.

Mir war gezeigt das Schlechte und das Gute,
mir ward gezeigt die Fülle meiner Mängel.
Mir ward gezeigt die Wunde, draus ich blute,
mir ward gezeigt die Helfertat der Engel.
Und als ich so mein künftig Leben schaute,
da hört’ ein Wesen ich die Frage tun,
ob ich dies zu leben mich getraue,
denn der Entscheidung Stunde schlüge nun.

Und ich ermaß noch einmal alles Schlimme –
„Dies ist das Leben, das ich leben will!”
gab ich zur Antwort mit entschloss’ner Stimme
und nahm auf mich mein neues Schicksal still.
So ward ich geboren in diese Welt,
so wars, als ich ins neue Leben trat.
Ich klage nicht, wenn’s oft mir nicht gefällt,
denn ungeboren hab’ ich es bejaht.


Ich glaube an Wiedergeburt und daran, dass jedes Leben uns die Erfahrungen machen läßt, die wir machen wollen. Schwer verdauliche Kost ...

Nichtsdestotrotz trauere ich sehr um jedes Tier, das ich begleiten durfte, wenn er oder sie geht... Und egal welche Entscheidung wir treffen, leicht macht es sich wohl keiner von uns. Das zeigen ja die Zeilen eines jeden einzelnen.

LG Catrin
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