Entlaufener Rauhaardackel muss zurück zu rechtmäßigem Eigentümer

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Catrin
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Entlaufener Rauhaardackel muss zurück zu rechtmäßigem Eigentümer

Beitrag von Catrin » 29.08.2016, 15:18

Vorliegend handelt es sich um eine Dackelhündin, welche ihre ersten Lebensmonate bei einer Familie aus der Nähe von Brandenburg verbrachte. Sie trug zu dieser Zeit den Namen „Bonny von Beelitz“.

Der Mann jener Familie bekam den Rauhaardackelwelpen damals von seiner Frau zum 70. Geburtstag geschenkt. Jedoch währte diese Freude nicht lange, als der Hund im Jahre 2012 noch seinem Herrchen entlief.

Einen Tag später wurde Bonny per Zufall von Urlaubern nahe einer Autobahnauffahrt aufgelesen. Dabei trug die Hündin weder ein Halsband, noch eine Marke.

Sie beschlossen dem jungen Hund ein Zuhause zu geben und so zog „ursprünglich Bonny“ als „Lulu“ nach Bayern.

Doch nun, vier Jahre später, erfuhr das bayerische Ehepaar von Lulus wirklicher Herkunft.

Sie wollten bei einem Züchter neue Papiere für Lulu beantragen, als sie sich einen zweiten Dackel anschafften, dabei erfuhren sie von ihrer ursprünglichen Lebensgeschichte.

Ein Rechtsstreit entfachte, da Lulus ursprüngliche Familie nicht auf die Rückkehr ihres Hundes verzichten wollte.
[...]
Problematisch gestaltete sich im vorliegenden Fall, dass die neuen Besitzer, als sie den Dackel fanden, nicht das Ordnungsamt einschalteten, was sie hätten tun sollen. Mithin hätten sie unrechtmäßig gehandelt.

Denn gem. § 985 BGB kann der Eigentümer vom Besitzer die Herausgabe der Sache verlangen.

Das Ehepaar aus Bayern ist unzweifelhaft der momentane Besitzer des Hundes.

Und seine alten Besitzer haben das Eigentum an dem Hund nie aufgeben wollen. Obwohl dieser weggelaufen ist, bestünde die Eigentumslage unbeschadet weiter.

Denn eine Eigentumsaufgabe nach § 959 BGB fand hier nicht statt, dem Mann aus Potsdam war der Hund nur entlaufen. Eine Eigentumsaufgabe wird jedoch nur angenommen, wenn sie offensichtlich ist, was im vorliegenden Falle zu verneinen ist.

So entstand kein Rechtsgrund für die neuen Besitzer, das Tier zu behalten.

Bei dem Hund handelt es sich nach dem Gesetz auch um eine „Sache“ im Sinne des § 985 BGB.

Vor Gericht beteuerte das Ehepaar aus Bayern, dass sie auf verschiedensten Wege nach den Ur-Besitzern gesucht hätten, zudem habe die Hündin weder Halsband noch Marke gehabt. Dadurch, dass die Polizeistreife den Dackel nicht habe an sich nehmen wollen, hätten sie beschlossen, das Tier bei sich aufzunehmen.
Quelle: http://kanzlei-sbeaucamp.de/entlaufener ... gentuemer/
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Vera
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Re: Entlaufener Rauhaardackel muss zurück zu rechtmäßigem Eigentümer

Beitrag von Vera » 29.08.2016, 17:25

Davon hatte ich in der Zeitung auch schon gelesen...


Zitat:

Das Landgericht Potsdam entschied am Mittwoch, den 10.08.2016 über das Schicksal des Rauhaardackels.

Lulu wird zu ihrer alten Familie zurück gehen.

Im Zuge der Rückgabe des Tieres müssen die ursprünglichen Besitzer, der Jäger und seine Frau aus der Nähe von Brandenburg, eine Entschädigung in Höhe von 3.271,16 € leisten. Diese soll die Kosten für Hundefutter, Tierarzt und ähnliche Aufwendungen, die das bayerische Ehepaar getätigt hat kompensieren.



Rein vom Gesetz her sieht das Urteil ja ok aus - aber in meinen Augen entspricht das NICHT dem Hundewohl. Denn der Hund lebt im hier und jetzt und muss als inzwischen erwachsener Hund in eine ihm eigentlich völlig fremde Familie.
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Catrin
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Re: Entlaufener Rauhaardackel muss zurück zu rechtmäßigem Eigentümer

Beitrag von Catrin » 29.08.2016, 18:48

Andererseits stellt sich die Frage, was die "Besitzer" des Hundes unternommen haben, um herauszubekommen, wer der "Eigentümer" ist. Im Zweifel gar nichts und daher finde ich das Urteil als Hinweis gut, dass man gefundene Hunde nicht einfach so behalten darf.
Gerade weil ich ständig über entlaufene Hunde lese, wünsche ich mir auch hier Menschen, die zu dem Zeitpunkt, wenn sie den Hund finden, an das Wohl des Tieres denken und nicht an sich - in dem Sinne: Ist der süß, den behalten wir....
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Re: Entlaufener Rauhaardackel muss zurück zu rechtmäßigem Eigentümer

Beitrag von Henri » 30.08.2016, 14:21

Jede Geschichte hat 2 Seiten und ich will da auch gar nicht urteilen. Aber es gibt Fälle, wo Besitzer jahrelang nach ihrem Hund suchen, ich erinnere da an Harry, der noch immer verzweifelt gesucht wird.

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Re: Entlaufener Rauhaardackel muss zurück zu rechtmäßigem Eigentümer

Beitrag von Vera » 30.08.2016, 18:45

Das ist natürlich richtig: man sollte erst einmal nichts unversucht lassen, den Besitzer eines gefundenen Hundes ausfindig zu machen. Genau das ist in diesem Fall ja der Knackpunkt....
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Re: Entlaufener Rauhaardackel muss zurück zu rechtmäßigem Eigentümer

Beitrag von Sus scrofa » 31.08.2016, 13:53

Soweit ich weiß haben die Finder den Hund aufgelesen und keinerlei Anstalten gemacht, den Besitzer zu suchen. Dieser hatte bereits vor längerer Zeit die Geschichte in einem Jagdforum gepostet und angekündigt, rechtliche Schritte einzuleiten. Die Meinungen im besagten Forum gingen weit auseinander.

Ich persönlich finde es richtig, dass der Mann seinen Hund zurück bekommt. Ich finde sogar, dass man den "Findern" kein Geld zahlen sollte, wenn nachgewiesen ist, dass sie sich nicht erkundigt haben, wem der Hund gehört. Und wie hier auch schon erwähnt wurde, sehe ich das Urteil als wichtiges Zeichen, dass man einen Fundhund nicht einfach behalten darf.

Ich wollte Frieda auf einer Jagdmesse mal ein Signalhalsband mit Name und Telefonummer besticken lassen. Da warf die Verkäuferin nur einen Blick auf den Hund und riet mir davon ab, den Namen aufzusticken. Insbesondere die klassischen Familienhund-Rassen würden immer seltener zurück gegeben und wenn dann noch der Name drauf stünde würden die Finder noch schneller ein persönliches Verhältnis zu dem Hund aufbauen. Da ist es mir echt kalt den Rücken runter gelaufen. Der Gedanke, dass sie jemand einfach mitnimmt...

Insofern muss ich auch echt sagen, ich gönne den Findern den seelischen Schmerz, den Hund nun wieder abgeben zu müssen, denn sie haben diesen auch dem ursprünglichen Eigentümer angetan. Für den Hund ist das Prozedere natürlich stressig, aber wie ich den Besitzer damals gelesen habe, hat er es dort sehr gut und wird von der ganzen Familie innig geliebt. Der wird sich schon wieder im alten Zuhause einleben.
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Re: Entlaufener Rauhaardackel muss zurück zu rechtmäßigem Eigentümer

Beitrag von Sus scrofa » 31.08.2016, 14:01

EDIT: Hab den alten Thread (aus 2014) noch gefunden. Die Finder haben über die Chipnummer des Hundes den Zwinger heraus gefunden und versucht, über diesen an Impfnachweise zu kommen. Der Züchter hat die ursprünglichen Besitzer kontaktiert. So ist die ganze Sache ans Licht gekommen.
Susanne und Frieda -by-

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