Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

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Catrin
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Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Catrin » 26.08.2016, 17:34

Ein Cocker-Rasse-"TS"Verein vermittelt gerade - mal wieder - Cocker-Mix-Welpen.
Es handelt sich um 3 Geschwister: zwei Hündinnen und einen Rüden.
Sie befinden sich - mal wieder - in der ungarischen PS.
Dort wurden sie - angeblich - mit 8 Wochen abgegeben.
Aktuell mit 5 Monaten werden sie nun vermittelt
Diese Junghunde hatten kaum menschlichen Kontakt ... auch in den 3 Monaten in der Auffangstation? ... und sind daher sehr unsicher.

Diese Hunde - zur Erinnerung: 5 Monate alt - sind bereits kastriert!!!

Unglaublich, aber wahr und im sog. "Tier-Schutz" ist ja alles erlaubt, auch wenn es dem Tier schadet.

Werden die Interessenten über die möglichen Folgen dieser Kastration aufgeklärt? Oder wird ihnen diese als "praktisch" (keine Läufigkeit - kein hormongesteuerten Rüden) und als "gesund" ("keine" Brusttumore) verkauft?

Dem Cocker-Rasse-"Hunde-Schutz"-Verein werden die Folgen und bes. die Folgekosten egal sein. Wie so oft betrifft das dann den neuen Halter.
Diskussionen darüber sind unerwünscht. Mein diesbezüglicher Kommentar auf FB wurde gestern - kommentarlos - gelöscht.

Übrigens verstößt dieses Vorgehen m.M.n. gegen das DEUTSCHE TS-GESETZ, denn die Tiere werden ja jetzt vor der Geschlechtsreife angeboten und evtl. vermittelt. Wo bestand da die Gefahr unerwünschten Nachwuchses?
Aber was juckt deutsches Recht eine ungarische PS? Und der deutsche Verein kann ja nix dafür! Diese Position ist immer die Beste!
Vielleicht kamen diese Welpen ja bereits kastriert ins Auffanglager. Dann könnten beide nichts dafür - wäre natürlich noch besser!
Mehr zur Illegalität auch in dem unten verlinkten Artikel von S. Strodtbeck und Dr. U. Gansloßer ;-)

Nun zu den möglichen Folgen einer Kastration vor dem Abklingen der Pubertät. Letzeres kann man laut Strodtbeck/Dr. Gansloßer grob festlegen als Zeitpunkt, an dem die Hündinnen der betreffenden Rasse ihre 3. Läufigkeit beendet haben.
Quelle: https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q= ... 1782,d.bGs

Verhalten
- Kindsköpfigkeit und planloses Verhalten,
- negative Auswirkungen auf die Stressanfälligkeit, die soziale Intelligenz und soziale Kompetenz, da Sexualhormone an der Entwicklung des Gehirns beteiligt sind.
Dazu kommen dann die "normalen" Folgen einer Kastration bzgl. des Verhaltens:
z.B. erhöhte Stressanfälligkeit aufgrund eines (permanent) erhöhten Cortisol-Spiegels (d.h. in der Folge individuell erhöhte Ängstlichkeit oder gesteigerte Aggression), erhöhtes Demenz-Risikos mit all seinen Folgeerscheinungen.

Körper
- negative Auswirkungen auf die Wachstumsprozesse
=> Fehlbildung der Gelenke
=> Gelenkschäden
- Osteosarkom (Knochentumor): je jünger kastriert umso größer das Risiko
- Inkontinenz: zwar seltener als bei Kastrationen im späteren Alter, aber wenn sie auftritt dann massiv Tag und Nacht!
Dazu dann die "normalen" möglichen Folgen einer Kastration auf den Körper:
z.B. Prostatatumoren 3x häufiger, Schilddrüsenunterfunktion 3x häufiger (Rüde + Hündin), Fettleibigkeit, Fellveränderung ... und die körperlichen Auswirkungen eines erhöhten Cortisol-Spiegels, was da wären Immunsuppression und damit einhergehende größere Infektionsneigung, schlechte Wundheilung und ein weiterer Faktor, der zum Übergewicht beiträgt.
Ach ja, auch die ja immer so angepriesene Prävention vor Brusttumoren steht wohl jetzt endlich auch schulmedizinisch auf dem Prüfstand...

Nun noch mal zu den drei Junghunden:
Sie sind eh schon unsicher gegenüber Menschen, dann die frühe Kastration mit ihren Auswirkungen auf das Gehirn und die Stressanfälligkeit, dazu dann noch die gesteigerte Stressanfälligkeit durch den erhöhten Cortisolspiegel. Ob das wohl den neuen Haltern Stress macht?
Dazu kommen die kastrationsbedingten Auswirkungen auf die Wachstumsprozesse gepaart mit den Auswirkungen der früheren und jetzigen Ernährung auf den Körper.

Wie man sieht, ist eine so frühe Kastration ein wirklich "guter Start in ein langes und gesundes Leben"! *Sarkasmus-aus*

Es gibt bestimmt Menschen, die auch unter diesen Voraussetzungen bereit sind, diese jungen Hunde zu adoptieren. Aber ein Hunde-Schutz-Verein sollte darüber aufklären!

Quellen und weitere Infos:
https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q= ... 1782,d.bGs
http://www.vetion.de/tierhalterwissen/w ... l_id=14039
http://www.das-hundezentrum.de/wissens- ... kastr.html
... und eigenes im Laufe der Zeit angelesenes Wissen und eigene Erfahrungen mit einem - in meinen Augen - zu früh kastrierten Rüden aus dieser ungarischen PS!

Schön wäre es außerdem für mögliche Interessenten, die ungarische Mutter dieser Welpen zu sehen. Immerhin ist diese Cocker-Hündin ja zusammen mit den Welpen im Auffanglager gelandet.
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Re: Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Vera » 26.08.2016, 19:32

Dieses Vorgehen ist wirklich eine Schande....

...obwohl ich weiß, was dahinter steckt: man will verhindern, dass die neuen Besitzer in Versuchung kommen, mit den unkastrierten Hunden zu züchten. Gerade bei Rassehunden ist dieser Gedankengang nicht völlig abwegig. Auch wenn ein derartiges Verbot im Schutzvertrag stehen sollte - man guckt allen Menschen letztendlich nur vor den Kopf. Und kontrollieren lässt sich das auch nicht.

Trotzdem: es ist in keiner Weise gerechtfertigt, so junge Hunde zu kastrieren!!!° :twisted: :twisted:

Für die heranwachsenden Hunde ist es schlichtweg von großem Übel - und für die Halter wird es vermutlich anstrengend werden.

Das Buch von S. Strodtbeck und Udo Gansloßer kann ich jedem nur empfehlen, der über das Thema bei seinem eigenen Hund nachdenkt.
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Re: Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Henri » 26.08.2016, 19:38

man will verhindern, dass die neuen Besitzer in Versuchung kommen, mit den unkastrierten Hunden zu züchten.
Ist das nicht ein bisschen scheinheilig? Gerade bei diesem Verein gab es oft genug "ungeplante" Welpen.

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Re: Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Vera » 26.08.2016, 20:01

Ich glaube nicht, dass es hier wieder "um diesen Verein" gehen sollte.

Hier geht es doch eher um das Thema allgemein.
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Re: Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Cockermama » 26.08.2016, 20:21

Vera hat geschrieben:Dieses Vorgehen ist wirklich eine Schande....
Liebe Vera,

ich finde, nicht nur eine Schande, es ist auch einfach nur krank.

Man weiß heute GsD wirklich genug über das Thema, insbesondere über die Frühkastration.

Das Wissen geht nicht an allen Tierschützern vorbei

http://www.tierheim-vielau.de/?page_id=1037

Jeder der in seinem Leben schon Welpen hatte, sollte in sich gehen und überlegen, ob er einen fünf Monate alten Hund kastrieren lassen könnte? Was tut man diesen Hunden an? Was nimmt man ihnen? Welchen körperlichen und psychischen Risiken setzt man diese Welpen aus, für die man nur stellvertretend und vorübergehend Verantwortung hat. Hat man das Recht, diese Welpen zu kastrieren und sich über Wissen hinwegzusetzen, welches doch schon inzwischen seit Jahren bekannt ist.
Vera hat geschrieben:...obwohl ich weiß, was dahinter steckt: man will verhindern, dass die neuen Besitzer in Versuchung kommen, mit den unkastrierten Hunden zu züchten. Gerade bei Rassehunden ist dieser Gedankengang nicht völlig abwegig. Auch wenn ein derartiges Verbot im Schutzvertrag stehen sollte - man guckt allen Menschen letztendlich nur vor den Kopf. Und kontrollieren lässt sich das auch nicht.
Das Argument sollte im seriösen Tierschutz längst überholt sein. Bei den drei Welpen Juno, Jenci und Janina handelt es sich übrigens sogar um Mixe. Eine mögliche Dunkelziffer von Unfällen oder absichtlichen Würfen mit vermittelten Hunden, die sich vermutlich im einstelligen Promillebereich bewegt, kann aber doch nicht die grundsätzliche Kastration aller Hunde im Tierschutz rechtfertigen. Abgesehen davon, ist es auch Aufgabe eines seriösen Tierschutzvereins, sorgfältig Vorkontrollen durchzuführen und intensive Gespräche zu führen, die auch dieses Thema beinhalten und darüber aufklären sollen. Die Welpen sollen ja auch keine Straßenhunde im Ausland, sondern Familienhunde in Deutschland werden. Natürlich kann man den Menschen letztendlich nur vor den Kopf schauen, aber auch dies rechtfertigt nicht, alle Hunde im Tierschutz kastrieren zu lassen.

Entsetzte Grüße,
Nana
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Re: Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Ursula » 27.08.2016, 17:38

mir ist es schlichweg egal welcher Tierschutzverein das war, es ist ein Verbrechen an den Hunden.
Aber leider, leider stößt man da im Tierschutz zumeist auf total taube Ohren, jede Endstelle
steht halt unter dem Generalverdacht ein verkappter Züchter zu sein.

Die Mäglichkeit einer Sterilation wird garnicht erst in Betracht gezogen. Manchmal beschleicht mich
nur all zu oft der Verdacht ob da Menschen am Werk sind ein ein riesen Problem mit der Sexualität haben.

LG Ursula
mit Alli-Phuu und Thelma dem Rölleken im Herzen und Tammi dem Springerle auf dem Sofa

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Re: Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Vera » 27.08.2016, 21:14

Nana, ich hoffe nicht, dass ich den Eindruck erwecke, Verständnis für diese Kastrationen zu haben - dein Post könnte ich fast so verstehen......

Die "frühere" Begründung für solche Kastrationen sollten längst überholt sein? Warum wird dann immer noch so früh kastriert? Ganz sicher ist dies doch nicht die einzige Tierschutzorga, die das tut oder veranlässt.....

Welcher Grund wird denn dafür angegeben? Oder wird einfach so kastriert, alles, was bestimmten Orgas in die Hände fällt?

Leider wird das ja auch noch in manchen (?) oder vielen (?) Tierheimen gemacht...

Vor 1,5 Jahren bekam ich die Info, dass in "unserem" TH ein einjähriger Cocker abgegeben wurde - ob ich interessiert bin. Ich habe ja gesagt - aber nur, wenn er nicht kastriert wird (das war er nämlich nicht).
Antwort: er wird nur kastriert abgegeben. Dann war ich nicht mehr interessiert....

Der Zwuckel wurde natürlich trotzdem innerhalb von Tagen vermittelt.
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Re: Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Buddy » 27.08.2016, 21:49

Yuri ist auch so ein Frühkastrat.

Wir haben bei ihm keinerlei Nachteile feststellen können.

Trotzdem halte ich da gar nichts von und verstehe auch nicht warum das im Tierschutz immer noch üblich ist.

Da kann mal hinschauen wo man will.
Claudia mit Buddy, Yuri und Enya und dem Seelenhund Lanya fest im Herzen.
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Re: Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Mambine » 28.08.2016, 11:20

Ich halte auch nichts von Frühkastration, aber trotzdem kann ich die ausländischen Tierschützer verstehen: Wenn sie überhaupt im eigenen Land Hunde vermitteln können, dann (fast) nur junge Hunde. Da laufen sie aber mit einer Abgabe immer Gefahr, dass dieser Hund später Welpen bekommt. Bei normalen Besitzern geschieht das meist aus Unachtsamkeit, aber wer weiß, ob sonst nicht auch die Hundehändler auf die Idee kämmen ihre "Zuchttiere" aus den Tierasylen zu rekrutieren. Da man den Menschen immer nur vor den Kopf gucken kann, ist man mit einer Kastration diesbezüglich auf der sicheren Seite. Vor diesem Hintergrund halte ich sie auch für das kleinere Übel.
Herzliche Grüße

Ulrike und Mambo

Catrin
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Re: Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Catrin » 28.08.2016, 16:01

Die Welpen befinden sich in einem ungarischen Auffanglager, d.h. doch wohl in der ungarischen Pflegestelle dieses Vereins. Wie schon mal erwähnt, übergeben die Ungarn ihre Hunde nur an diesen deutschen Verein, auch wenn sie überlaufen so wie in den letzten Monaten seitdem dieser Verein keine Hunde mehr importiert hat. Aus welchen Gründen auch immer...

Daneben werden sie auch im Inland vermitteln, aber das wird die Ausnahme sein.

Diese ungarische Pflegestelle hat ja nicht das erste Mal Welpen in der Vermittlung. Erst dieses Jahr wurden zwei Würfe auch über den deutschen Verein vermittelt. Wenn man also weiß, dass die Möglichkeit besteht, diese Welpen in Deutschland zu vermitteln, wieso lässt man sie dann so früh kastrieren? Da läuft für mich dein Argument ins Leere, Ulrike.

Und Menschen, die ja unbedingt einmal oder zweimal Welpen haben wollen, soll es ja auch im TS geben... Die Möglichkeiten dazu wird es immer geben und auch diese Art von Menschen!
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Re: Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Buddy » 28.08.2016, 16:48

Tut mir einen Gefallen und beißt euch nicht wieder an dem einen Vereun fest. Es gibt zig die das machen.

Und bei uns werden zig Hunde viel zu früh kastriert. Da fragt kein Ta nach dem Ts Gesetzt.

Vielleicht sollten wir da auch aufklären und es versuchen zu ändern. Mich würde mal interessieren wie hoch die Zahl der Hunde ist die hier in Deutschland so früh kastriert werden weil Halter keine Lust auf Läufigkeit haben oder auf Erziehung in der Pubertät.
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Zulle
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Re: Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Zulle » 29.08.2016, 13:35

Unverständlich, warum TS-Hunde bei Abgabe kastriert sein müssen. Die Idee dahinter erschließt sich mir nicht. Diese Entscheidung sollte doch ausschließlich in der Verantwortung des künftigen Besitzers liegen, denn nur er allein muss sich mit den Vor, und Nachteilen dieses Eingriffes später auseinandersetzen.

Wenn hingegen Kastrations-Programme bei nicht auf den Menschen sozialisierten Strassenhunden (die auch dort verbleiben, also weder eingesperrt, noch vermittelt werden) stattfinden, empfinde ich diese Maßnahme als sinnvoll und tierschutzkonform.

Aber warum eine Übergabe in Menschenhand nur im kastrierten Zustand (oder gar frühkastriert) erfolgen darf, ist auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar.

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Re: Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Cockermama » 29.08.2016, 15:31

In diesem Thread geht es ja in erster Linie wie die Überschrift schon zeigt um die Frühkastration und im besonderen um ihre extreme Form (!) (in diesem Zusammenhang dann auch teilweise um die grundsätzliche Kastration von Hunden im Tierschutz).

Zusätzlich zu dem Link, den ich schon eingestellt habe, über den man auch zum Artikel von Herrn Dr. Rückert gelangt,
auch gerne noch diesen, der an einigen Stellen konkret auf die Frühkastration und ihre Folgen eingeht.

http://www.kleintierpraxis-am-hafen.de/ ... ation.html
Link hat geschrieben:Gesetzliche Grundlagen und Einschränkungen Nach § 6 Tierschutzgesetz fällt die Kastration von Hunden (männlichen und weiblichen) ebenso wie das Kupieren von Ohren und Ruten sowie das Entfernen der Wolfskrallen unter das Amputationsverbot und darf nur beim Vorliegen eines vernünftigen Grundes vorgenommen werden. Dazu zählen medizinische Indikationen, die Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung oder - soweit tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen - die Unfruchtbarmachung zur weiteren Nutzung oder Haltung des Tieres. Der Tierarzt muss zum Wohle des Tieres abwägen, ob der Nutzen des Eingriffs mögliche Nachteile oder Risiken überwiegt.
Link hat geschrieben:Die Kastration als prophylaktische Maßnahme schon bei Jungtieren kann nicht als vernünftiger Grund angesehen werden. Der Wunsch des Tierbesitzers ist dafür nicht ausreichend und eine nur aus Bequemlichkeit vorgenommene Kastration damit illegal!

Link hat geschrieben:Ab welchem Alter kann ein Hund kastriert werden? Auf diese Frage gibt es eine Vielzahl von Antworten, die alle in irgendeiner Form eine Berechtigung haben, so dass der richtige Termin im Einzelfall ermittelt werden muss:

•Geschlechtshormone werden im Wachstum und bei der Ausreifung von Körper und Psyche benötigt. Daher erscheint es sinnvoll, diese Hormone zu belassen, bis die Tiere ausgereift, d.h. erwachsen sind.

Die soziale Reife erreichen die Tiere mit etwa 1,5 Jahren. Der Besitzer merkt dies daran, dass die Hunde beginnen, ihre Stellung in der Rangordnung in Frage zu stellen oder dass sie anfangen, ihre Aufgaben als Wachhund zu erfüllen.

Die körperliche Ausreifung ist noch später abgeschlossen: Bei Hunden kleiner Rassen geht man von einem Alter von etwa 2 Jahren aus, bei großen von 3 Jahren und mehr.
Link hat geschrieben:Welche Nebenwirkungen oder Spätfolgen können auftreten? Da es sich bei Kastration oder Sterilisation um eine Operation unter Vollnarkose handelt, muss man in jedem Fall mit Narkosezwischenfällen rechnen. Durch moderne Narkosen und gute Überwachung während des Eingriffs kann man diese Gefahr zwar mindern, aber niemals ganz ausschließen.

[...]

Bei frühkastrierten Hündinnen muss man außerdem mit einer Steigerung des Angstverhaltens rechnen. Diese kann sich in gesteigerter Trennungsangst oder verstärktem Fluchtverhalten äußern.
Link hat geschrieben:Zumindest bei Rüden scheinen die Veränderungen im Aggressionsverhalten eine deutliche Altersabhängigkeit zu besitzen: Tiere, die sehr früh kastriert wurden, im Alter von unter 6 Monaten, aber auch Tiere, die bei der Kastration zwischen 6 und 12 Monaten alt waren, zeigen mit größerer Wahrscheinlichkeit erhöhtes Aggressionsverhalten gegenüber anderen Hunden beiderlei Geschlechts oder fallen durch verminderte Ausgeglichenheit auf. Daraus lässt sich folgern, dass man Rüden möglichst nicht vor der Vollendung des ersten Lebensjahres kastrieren sollte.
Wie oft beobachtet man genau dieses Problem: junger Rüde, gerade ein Jahr alt, bereits kastriert (!) und ein Problemhund, der eine neue Familie sucht.

Gerade weil man es im (Cocker)Tierschutz auch mit verhaltensauffälligen Hunden zu tun hat, sollte man endlich mit dem Thema Kastration sensibler umgehen, obwohl auch die viele anderen medizinischen oder körperlichen Aspekte einfach nicht ignoriert werden können. Wie viele Hunde leiden an den Spätfolgen, manchmal vielleicht unbemerkt als Folge der Kastration? Leiden, weil die Besitzer zu wenig Erfahrung haben, weil sie überfordert sind mit den Verhaltensauffälligkeiten ihres Hundes? Wie viele Hunde werden dann genau aus diesem Grund abgegeben und in der Folge mehrfach vermittelt, mit immer wiederkehrendem Trennungsschmerz und neuen, meist schlechten Erfahrungen. Leider sterben auch viele Hunde als Opfer dieser schlimmen Geschichten. In der Chronologie und Analyse fällt die Frühkastration bei diesen Fällen oft auf. Mir nehmen die Tierschützer dabei ihre Verantwortung nicht Ernst genug - ja, schon beginnend in der mangelnden Aufklärung oder dem leichtfertigen und verallgemeinernden Umgang.


Link hat geschrieben:3 % der Hunde beiderlei Geschlechts zeigen nach der Kastration eine verlängerte Wachstumsperiode, allerdings 35 % der Tiere, die zum Zeitpunkt der Kastration unter 6 Monate alt waren. Daher erscheint es nicht sinnvoll, bei Hunden zur Frühkastration zu raten.
Link hat geschrieben:Mehr Tumore und öfter Verhaltensstörungen

In der Zeitschrift "Vetimpulse" vom 01. September 2014 habe ich einen Artikel zum Thema "Kastration beim Hund" gefunden:

In diesem Artikel wird über die schon länger anhaltende Diskussion eingegangen, ob die Kastration des Hundes nicht doch weitreichendere Folgen habe als früher angenommen. Eine aktuelle Studie unterstütze diese These.

Es wurde untersucht, ob kastrierte Hunde ein größeres Risiko haben, an Krebs zu erkranken, als andere Tiere, oder ob Verhaltensstörungen zu befürchten sind. Von amerikanischen Tierärzten wurden die Daten von über 2500 Vizlas aus 25 Ländern ausgewertet.

Die Zahlen zeigten, dass rund 24 Prozent der untersuchten Hunde im Laufe ihres Lebens an einer Krebsform erkrankten, Krebs generell galt als häufigste Todesursache bei dieser Rasse. Die Ergebnisse stützen die Ergebnisse früherer Studien zum Thema. Tumore traten bei männlichen und weiblichen Tieren etwa 5-mal so häufig auf, wenn diese kastriert waren. Die kastrierten Hunde waren bei der Diagnosestellung auch deutlich jünger als unkastrierte.

Es hat sich gezeigt, dass die positiven Effekte der Kastration auf das Auftreten von Gesäugetumoren nicht so stark ist wie bislang angenommen. Von über tausend Hunden hatten nur 11 Gesäugekrebs. Verglichen mit anderen Krebsarten waren das relativ wenig Fälle, 250 Hunde hatten andere Tumore.
Link hat geschrieben:Bei den Auswirkungen auf das Verhalten der Tiere spielte der Zeitpunkt der Kastration eine wesentliche Rolle. Hunde, die schon mit sechs Monaten oder jünger kastriert wurden, entwickelten häufiger Störungen als andere. Je jünger der Hund zum Zeitpunkt der Kastration war, desto früher setzten die Probleme ein. Besonders oft kam dabei die Angst vor Sturm und Gewitter vor.
Und gerne noch aus dem ersten Link
http://www.tierheim-vielau.de/?page_id=1037
für alle die, die nicht so gerne Links öffnen und lieber direkt lesen:
Link hat geschrieben: Kastration bei Hunden


Während bei Katzen die Kastration beider Geschlechter ein absolutes „Muß“ ist, sieht die Situation bei Hunden vollkommen anders aus.

Bedauerlicherweise kastrieren viele Tierärzte im Auftrag ihrer Kunden oder auch für Tierschutzvereine vollkommen ungehemmt Rüden und Hündinnen ohne daß wirklich eine Indikation vorliegt. Daß dies nicht nur ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt, sondern häufig auch mit erheblichen Leiden für das Tier verbunden ist, bleibt vollkommen unberücksichtigt.

Die Vermehrung von Hunden kann problemlos unterbunden werden, wenn Hündinnen, während sie läufig sind, von Rüden ferngehalten werden. Somit ist die Verhinderung einer Vermehrung KEINE INDIKATION. Ebensowenig lassen sich durch die Kastration die meisten Verhaltensprobleme wegoperieren und die Argumentation, daß man spätere Erkrankungen der Geschlechtsorgane oder auch Mammatumore verhindern kann, ist geradezu absurd.

Wer sich näher mit dem Thema auseinandersetzen möchte, findet wertvolle Informationen in einem Newsletter des Tierschutzvereins Leipzig. Dort findet sich auch ein empfehlenswerter Buchtipp.

Der Tierschutzverein Zwickau kastriert ausschließlich solche Hunde, bei denen eine medizinische Indikation vorliegt (Gebärmuttervereiterung, Hodenkrebs, Prostataprobleme, die sich medikamentös nicht regulieren lassen) oder bei denen eine Kastration von einem Sachverständigen empfohlen wird.
Liebe Grüße,
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Re: Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Ursula » 29.08.2016, 16:43

das habe ich gerade gefunden, nur ich befürchte bei manchen besonders bei Tierschützern
ist das egal es wird weiter kastriert was das Zeug hält, ist doch egal stirbt der Hund halt eben früher kann man den Nächsten nachschieben, so hat man mir das einmal erklärt, was man den Endstellen damit antut darüber macht man sich keine Gedanken übrigens auch ein großer Teil der Tierärzte nicht. Ich kenne bisher nur eine Tierärztin die Kastra ohne
medizinischen Hintergrund kategorisch ablehnt und auch in Kauf nimmt einen Kunden deshalb zu verlieren.

http://www.wuff.eu/wp/krankheitsursache-kastration/

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Re: Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Sus scrofa » 31.08.2016, 14:40

Ich bin froh, dass mein Tierarzt inzwischen die entsprechenden Studien gelesen hat und mir beim dritten Hund erstmals nicht die Kastration als unbedingt notwendige Gesäugeleistenkrebs-Vermeidungsstrategie andrehen wollte. Bei den ersten beiden Hunden hat er's versucht. Er meinte auch, das Fell würde nicht schlecht, wenn man es zu einem bestimmten Zeitpunkt macht. Daraufhin habe ich eingewilligt, meine Hündinnen zu kastrieren, sobald er mir einen kastrierten Setter ohne Krüselfell zeigt. Den Beweis ist er mir in 16 Jahren schuldig geblieben, meine Hunde blieben intakt. Ich bin sehr froh, das inzwischen ein Umdenken stattfindet.

Natürlich war das Fell nicht der Hauptgrund. Ich habe immer gesagt, dass ich nicht verstehen kann, wie die Entnahme eines hormonproduzierenden Organs, das von Mutter Natur nicht einfach nur als "Welpengebärsack" angelegt wurde, fast ausschließlich positive Wirkung haben soll. In meiner TA-Praxis lief lange Zeit ein Video im Wartezimmer, wo alle möglichen Probleme von unkastrierten Kaninchen, Meerschweinchen, Hunden und Katzen prophezeit wurden (Unverträglichkeit, Aggression, Stress, Probleme in der Erziehung). Die Kastration sollte das Allheilmittel sein. "Für ein harmonisches Miteinander". Man fragt sich, wie unkastrierte Wildtiere ihr Leben überhaupt geregelt bekommen. :lol:

Anekdote am Rande: Eine Freundin lies ihre 18 Monate alte Hündin kastrieren, damit diese ruhiger wird. Der Hund blieb in der Narkose. Man könnte also sagen, dass es funktioniert hat - permanent.

Leider ist die Zwangskastration für mich auch einer der Hauptgründe, weshalb für mich kein TS-Hund in Frage kommt. Ich verstehe den Ansatz, Vermehrer nicht fördern zu wollen, indem man dem neuen Besitzer gleich die Möglichkeit nimmt, Welpen zu produzieren. Aber die Bevormundung des neuen Besitzers wird auf dem Rücken des Hundes ausgetragen.
Susanne und Frieda -by-

Catrin
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Re: Kastration im Alter von (unter) 5 Monaten

Beitrag von Catrin » 31.08.2016, 15:05

Sus scrofa hat geschrieben:Ich habe immer gesagt, dass ich nicht verstehen kann, wie die Entnahme eines hormonproduzierenden Organs, das von Mutter Natur nicht einfach nur als "Welpengebärsack" angelegt wurde, fast ausschließlich positive Wirkung haben soll.
Danke, sehe es genauso und das gilt für alle Organe ... beim Menschen z.B. angefangen von den Mandeln, über den Blinddarm bis hin zur Gallenblase. Die Entfernung der Letzteren ist ja heutzutage schon Usus (u.a. bei Teenagern!).
Sus scrofa hat geschrieben:Leider ist die Zwangskastration für mich auch einer der Hauptgründe, weshalb für mich kein TS-Hund in Frage kommt.
Allerdings kastrieren nicht alle Vereine unbedingt und immer. Und man kann evtl. auch vor der Kastration des gewünschten Tieres intervenieren (abhängig vom Verein und von der eigenen Situation bzw. den schon vordhandenen Hunden). Habe diessbzgl. gerade positive Erfahrungen gemacht.
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