Wie liest man Tagebücher von Tierschutzhunden richtig?

Henri
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Beitrag05.06.2016, 20:39 von Henri

Habt Ihr Euch die Tagebücher von Hunden, die zur Vermittlung anstehen, mal richtig gelesen?

Da stehen oft so blumige Texte wie:

- am liebsten hält er sich draussen auf
- er läuft draussen seine Runden
- macht einen gesunden Eindruck
- sieht gesund aus

Was heisst das denn? Doch nichts anderes als dass

- Hund bisher kaum Kontakt zu Menschen hatte und keine Wohnung / kein Haus kennt
- dass Hund gestresst ist und im schlimmsten Fall kreiselt
- dass Hund keinem TA vorgestellt wurde und ein gesundheitliches Überraschungsei ist.

Was bedeuten denn solche Beschreibungen wie "Einzelprinz". "Schüchtern" ist auch so eine nette Beschreibung für einen Hund, der nichts kennt, "charakterstark" ist auch so ein beliebtes Wort.

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Uschi
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Beitrag06.06.2016, 13:29 von Uschi

Ganz ehrlich? I-Net und Papier ist geduldig. Ich kann nur jedem empfehlen, sich persönlich ein Bild von dem in Frage kommenden Hund zu machen. Falls möglich, einige Zeit Gassi gehen und über's WE mit nach hause nehmen.
Uschi mit Luna von der Kühtzenhöhe (und Kessy und Douscha im Herzen)

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Buddy
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Beitrag06.06.2016, 13:54 von Buddy

Ganz ehrlich? I-Net und Papier ist geduldig. Ich kann nur jedem empfehlen, sich persönlich ein Bild von dem in Frage kommenden Hund zu machen. Falls möglich, einige Zeit Gassi gehen und über's WE mit nach hause nehmen.

So sehe ich das auch. Und immer im Hinterkopf haben jeder Hund zeigt sich mit einer anderen Person anders.
Claudia mit Buddy, Yuri und Enya und dem Seelenhund Lanya fest im Herzen.
- “Wer hohe Türme bauen will, muß lange beim Fundament verweilen.”
Anton Bruckner (1824-1896), Komponist-

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Einstein
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Beitrag06.06.2016, 13:55 von Einstein

- genauso wie Beipackzettel - am besten gar nicht!

Vieles ist zum einen relativ, zum anderen viel zu allgemein und der Zeitraum um eine Aussage zu treffen ist oftmals viel zu kurz.
Man sollte ruhig schreiben was man denkt, nur sollte man es vorher bedenken !
Im übrigen: "Lächeln ist die beste Art Zähne zu zeigen" (A. Einstein)

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Sabine, Grille, Hummel
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Beitrag06.06.2016, 14:42 von Sabine, Grille, Hummel

Ganz ehrlich? I-Net und Papier ist geduldig. Ich kann nur jedem empfehlen, sich persönlich ein Bild von dem in Frage kommenden Hund zu machen. Falls möglich, einige Zeit Gassi gehen und über's WE mit nach hause nehmen.

So sehe ich das auch. Und immer im Hinterkopf haben jeder Hund zeigt sich mit einer anderen Person anders.

Ich hatte Cocker bei mir, die sich bei mir "anders präsentierten" als im eigenen Zuhause.
Und genauso siehts auf der PS aus. Allein schon wie man (Mensch) mit dem Cocker umgeht ist entscheidend.
Sein wahres Gesicht zeigt ein Cocker im Zusammenspiel mit dem Menschen. Das kann nach 14 Tagen passieren oder erst nach Monaten.

Die Tagebücher, egal von welchem Verein, überfliege ich nur. Sehe mir hauptsächlich die Bilder an, den Ausdruck der Mimik und die Augen des Hundes. Die Augen sind für mich sehr entscheidend! Aber entscheidend ist, wie reagiert Hund auf mich! (Was ja im Fall von Jota nicht möglich war. Da haben ihre Augen mich über sie aufgeklärt. Ich wußte das da ein kleiner Vulkan schlummerte :roll: )
Und wenn beim Interview zur Fragen der Gesundheit und auch Verhalten schon der erste Wackler im Gespräch ist, hab ich schon kein Vertrauen mehr. Und wenn solche Gespräche nicht schriftlich per Mail bestätigt werden, fängt mein Bauch erst recht an zu grummeln. Schlecht für den Hund, gut für mein Zuhause.
Denn die Messlatte, nach Kennenlernen von Jotas Orga, liegt seid dem sehr hoch! :wink:

- genauso wie Beipackzettel - am besten gar nicht!

Vieles ist zum einen relativ, zum anderen viel zu allgemein und der Zeitraum um eine Aussage zu treffen ist oftmals viel zu kurz.
Zu Nebenwirkungen fragen sie bitte ihren Arzt oder Apotheker! :mrgreen:
Genauso ist es, Lisa!

Bei Verhaltensaussagen über einen Cocker, bin ich wie gesagt mehr als vorsichtig! Erst recht wenn Tagebücher innerhalb von 24 Std. nach Ankunft fertig im Netz stehen!
Cocker sind wie eine Frikadelle - da ist alles drin!

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Buddy
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Beiträge: 10922

Beitrag06.06.2016, 15:46 von Buddy

Daher habe ich immer alle Fragen ehrlich beantwortet. War nicht immer förderlich für die Vermittlung der Hunde.

Aber hat sie nicht zu Wanderpokalen gemacht.
Claudia mit Buddy, Yuri und Enya und dem Seelenhund Lanya fest im Herzen.
- “Wer hohe Türme bauen will, muß lange beim Fundament verweilen.”
Anton Bruckner (1824-1896), Komponist-

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myelle
Beiträge: 69

Beitrag07.06.2016, 01:13 von myelle

....ausser den Namen, das Geschlecht, Fellfarbe, Geburtsdatum -wenn bekannt oder was angenommen wird, gesundheitlich was bekannt ist (jeweils NACH dem 1. Besuch hier in der Tierklinik innerhalb 10 Tagen, wenn kein Notfall).... stehen bei mir keine weiteren Eintragungen zu einem Pflegefellchen.
Diese sind so gut wie nie vor den ersten 14 Tagen sinnvoll, jedenfalls ist das meine Ansicht.
Von unserer Bughy, seit 10.10.2015 in Pflege, stellte ich erste "vorsichtige" Angaben nach 3 Monaten zur Verfügung, jedoch stellte ich sie erst nach 7 Monaten einem interessierten Paar vor, dass nach einer Cockerhündin fragte.
Wiederum aber kam zeitgleich unsere Pflegehündin Kiara, welche nach 14 Tagen sehr gut beschreibbar war und sie nach 4 Wochen bereits in ihr neues Zuhause ziehen konnte mit gutem Gewissen und Erfolg.
Ich denke, Pflegetagebücher - Wesensbeschreibungen usw. sind eine tolle Hilfe, um die bestmöglichsten Begleiter (Menschen) an zu sprechen. Ein Kennenlernen und sich beschnuppern hier vor Ort ist hier ein MUSS.... und ein Vorbesuch mit der Fellnase dann dort im möglichen neuen Zuhause ist mein Wunsch, der mir meistens sogar erfüllt wird, da hier der ganze "Vermittlungsablauf" zu 95% total umgekehrt geschieht als üblich im Tierschutz. (es gibt auch Ausnahmen)
So gesehen..... bekomme ich von suchenden menschlichen Begleiter ihre Tagebücher, um zu schauen, ob ich einen passenden felligen Begleiter für sie finde....
Ist verkehrt ich weiss, ist verrückt schon klar!
Interessant daran ist - es klappt total hervorragend.
Mit lieben Grüssen
Angie


Zum Schweigen fehlen mir die passenden Worte!

Catrin
Beiträge: 2141

Beitrag07.06.2016, 09:34 von Catrin

So gesehen..... bekomme ich von suchenden menschlichen Begleiter ihre Tagebücher, um zu schauen, ob ich einen passenden felligen Begleiter für sie finde....
Ist verkehrt ich weiss, ist verrückt schon klar!
Interessant daran ist - es klappt total hervorragend.
Verkehrt ist das überhaupt nicht, aber sehr wohl verrückt in einer anderen, positiven Bedeutung, die mir mal begegnet ist => ver-rückt sein - nicht in der Linie sein - abseits des "Üblichen" / des Mainstreams.
Ich denke, damit kannst du gut leben, Angie :-) ... ich bin auch ver-rückt *lach*

Außerdem machen es die Züchter, die hier z.T. berichten nicht anders. Sie suchen doch auch den Welpen aus, der ihrer Meinung nach zu dem Menschen passt.

Und auch Cesar Milan fällt mir oft ein, wenn ich unterwegs Hund und Halter sehe. Ja, ich weiß, seine Ansichten sind hier im Forum nicht gerne gesehen. Aber was er über das Zusammenpassen von Hund und Halter geschrieben hat, würde ich unterschreiben. Bei ihm ging es dabei zwar in erster Linie um die Rasse. Aber da nun mal jeder Hund einer Rasse zusätzlich ein Individuum mit eigener Geschichte, eigener Psyche, eigenem "Aktivitätsniveau", etc. ist, passt halt auch nicht jeder Cocker zu jedem "Cocker-Menschen".
l
offline... der neue Luxus


Kaline
Beiträge: 94

Beitrag07.06.2016, 09:57 von Kaline

Ist verkehrt ich weiss, ist verrückt schon klar!
Interessant daran ist - es klappt total hervorragend.
Sehr sympathisch! Wenn guter Umgang mit anvertrauten Hunden verrückt ist, solltest du "Verrücktheits-Kurse" geben :)
LG, Kaline

Kaline
Beiträge: 94

Beitrag07.06.2016, 10:25 von Kaline

Ich hatte Cocker bei mir, die sich bei mir "anders präsentierten" als im eigenen Zuhause.
Und genauso siehts auf der PS aus. Allein schon wie man (Mensch) mit dem Cocker umgeht ist entscheidend.
Sein wahres Gesicht zeigt ein Cocker im Zusammenspiel mit dem Menschen. Das kann nach 14 Tagen passieren oder erst nach Monaten.
Ein ganz wichtiger Aspekt, den ich aus meiner Erfahrung nur unterschreiben kann. Und wir reden hier nicht etwa von schlechtem Umgang mit dem Hund, sondern von der Persönlichkeit des jeweiligen Menschen. Es gibt nun mal forsche und ängstliche, laute und leise, ruhige und nervöse Gemüter. Menschen mit mehr oder weniger Hundeerfahrung. Menschen sind so unterschiedlich wie die Hunde auch.

Ein Umstand, den man nicht ändern kann. Viele Probleme im Umgang mit Tieren sind hausgemacht und dem eigenen Verhalten geschuldet. Umso wichtiger, daß jeder Hundevermittler - egal ob Tierschützer oder Züchter - dies immer im Hinterkopf behält und nicht müde wird, es den Interessenten und möglichen neuen Besitzern in Erinnerung zu rufen.
Bei Verhaltensaussagen über einen Cocker, bin ich wie gesagt mehr als vorsichtig! Erst recht wenn Tagebücher innerhalb von 24 Std. nach Ankunft fertig im Netz stehen!
In der Tat, da sollte man misstrauisch sein. Möglicherweise erfüllt das aber auch nur eine Erwartungshaltung der "Kunden", sprich Interessenten. Sobald da ein ach so süßes Foto zu sehen ist, möchte ein möglicher Adoptant auch Infos haben.
Ein TSV muss also überlegen, ab wann ein solches Tagebuch online gestellt wird. Und dabei steht der wirtschaftliche Aspekt (Einnahme der Vermittlungsgebühr und Freiwerden des Pflegeplatzes) entgegen dem Wohl des Hundes und der langfristigen Zufriedenheit der Adoptanten. Angesichts knapper Ressourcen (finanziell und räumlich) fällt leider oftmals die Entscheidung zugunsten der Quantität :(
LG, Kaline

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Karin
Beiträge: 8982

Beitrag07.06.2016, 16:09 von Karin

Selbst wenn ich mir die Beschreibungen der TH hier anschaue, ist da vieles, sagen wir mal, vorsichtig umschrieben.
Bei Giulio hieß es damals, er könne nicht mit anderen Rüden. Mir ist bis heute schleierhaft, wie man zu diesem Schluss kam! Gut, er war kein " Baiderla aff alle Subbn" , sofort und bedingungslos gut Freund mit Allen, er wich halt aus, schlug Bögen. An der Leine verhielt er sich vorbildlich, ignorierte Pöbler schlicht.

LG

Karin


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