Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Kaline
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Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Kaline » 04.06.2016, 18:26

Ich würde gerne ein Diskussionsthema eröffnen, daß mir sehr am Herzen liegt. Im Zusammenhang mit Vermittlungssendungen im Fernsehen oder Berichten über Tierschutzorganisationen drängt sich mir immer wieder die Frage auf, wie die Themen „Tierschutz“ und „traumatisierte Hunde“ miteinander vereinbar sind, bzw. es vielleicht in der Zukunft idealerweise einmal sein könnten.

Mir scheint, in vielen TSVs funktioniert das sog. „Retten“ der Hunde - trotz der Thematisierung in Form von Artikeln über „Angsthunde“ auf einigen Webseiten - nach 08/15-Standard:
übernehmen / Transport (häufig viele Kilometer weit und tagelang mit wechselnden Verkehrsmitteln) / rein in den Tierheimzwinger bzw. auf PS verteilen / möglichst schnell kastrieren (egal wie zusätzlich traumatisierend das auf einen verstörten Hund sein kann) / mit Leckerchen ein wenig Vertrauen gewinnen / wenn's schlecht läuft, auch noch ein bis mehrere Wechsel von PS oder Tierheim / möglichst schnell vermitteln (damit viele andere Tiere nachkommen können) / die Verantwortung mit pauschalem Hinweis auf schlechte Vergangenheit oder Angstproblematik auf die Adoptanten abwälzen.

Selbst Menschen, die Hunde lieben und sehr gerne helfen wollen, scheinen sich des psychischen Aspekts nicht erschöpfend zu widmen. Hunde mit einem robusteren Naturell können das vielleicht irgendwie verarbeiten, besonders da man immer sagt, Hunde leben im Hier und Jetzt und nicht in der Vergangenheit. Aber was ist mit den Sensibleren oder denen, die ein extremes Trauma erlitten haben?

Welcher TSV sieht die Notwendigkeit oder kann es sich leisten, einen Hundepsychologen oder erfahrenen, seriösen Trainer über einen Zeitraum von Wochen oder Monaten hinzuzuziehen? Im besseren Fall erfolgt eine solche Therapie, wenn sich der Hund zum „Ladenhüter“ entwickelt, d.h. um die Vermittlungschancen doch noch zu erhöhen.
Klar spielen hier die Kosten eine Rolle, aber es ist eine traurige Realität.

Ich habe zufällig einen Artikel im Netz gefunden, aus dem ich hier der Übersichtlichkeit halber nur die für diese Thematik relevanten Passagen herausgestellt habe:

"Man muss nicht auf Seiten wie heftig.co rumhängen, um mit „unglaublichen" Tierrettungsgeschichten konfrontiert zu werden. Katzen, die aus dem Abwasser gefischt werden und bei einer Mutter-Vater-Kind-Familie einen Platz auf Lebenszeit finden. Hunde, halb verhungert am Straßenrand und dann plötzlich komplett verändert, aufgeblüht, auf einer sonnenbeschienenen Blumenwiese. Da draußen gibt es viele Leute, die sich durch Facebook-Posts rühren und in Tierheimen dazu anstiften lassen, ein gebeuteltes Fellbündel mit nach Hause zu nehmen.
Auf Facebook gibt es unzählige Gruppen, die sich nur der Vermittlung von Hunden aus Tötungsstationen und anderen tierischen Notfällen widmen. Adoptiere ein Tier, schenke ihm Liebe und alles wird gut, erzählen diese Geschichten, nur: Den schwierigen Teil lassen sie aus. Das, was zwischen Vor- und Nachher liegt, die Genesungsgeschichte einer Kreatur, die womöglich Furchtbares in ihrem Leben erfahren hat und nun eine Chance auf Besserung bekommt. Liebe heilt alle Wunden? Nicht hier. Die Realität riecht nicht nach frisch gewaschener Kuscheldecke.
(…)
Und eine Frau, deren Lebenssituation für die meisten Leute unvorstellbar sein dürfte. Jana (Name von der Redaktion geändert) nimmt seit rund 20 Jahren tierische Problemfälle bei sich auf. Hunde und Katzen, bei denen es mit ein paar Leckerli und einer Runde Kuscheln nicht getan ist und die deshalb nur schwer vermittelbar sind. Dabei arbeitet sie mit Tierschutzorganisationen, Aufbewahrungsstationen und anderen Aktivisten in ganz Europa zusammen. „Das ist ein extremes Leben, dafür entscheiden sich nicht allzu viele Leute", stellt sie fest, während sie die Katzenkörbe vom Esstisch räumt. Gegenüber der Küchenzeile reiht sich Katzenklo an Katzenklo. Vor dem großen Fenster ist ein Gittergeflecht, im Schlafzimmer stehen mehrere Hundekörbchen. „Alles, was nicht angepinkelt werden soll, müsst ihr aufhängen", ruft uns Jana zu, während sie das große Fenster öffnet, um den Geruch nach Tierfutter, Urin und Streu zumindest etwas zu vertreiben. Mit Hunden, die sich in der Anfangsphase nicht anfassen lassen, kann man schließlich nicht Gassi gehen. Die Mittvierzigerin lebt nicht nur mit, sondern vor allem auch für ihre Tiere.
(…)
Weil es nicht viele Menschen gibt, die mit sozial gestörten Tieren arbeiten können oder wollen, übernimmt Jana die ganz schweren Fälle. Hunde und Katzen, die so traumatisiert sind, dass eine normale Vermittlung für sie erst einmal nicht infrage kommt. Solche, die beim Anblick eines Menschen automatisch die Flucht antreten und sich in vielen Fällen nicht einmal mehr anfassen lassen.
(…)
Traumatisierte Hunde (…) finden auch bei Artgenossen keine Sicherheit.
(…)
Die Tiere sind nervös, beäugen den unverhofften Besuch mit weit aufgerissenen Augen und sind hin- und hergerissen zwischen der furchteinflößenden Aussicht, sich mit uns im selben Raum zu befinden, und der, uns nicht mehr im Blick zu haben. Der Großteil entscheidet sich dafür, bei Jana zu bleiben. Nur eine Hündin, langes, seidiges Fell, die rein nach ihrem Foto innerhalb kürzester Zeit vermittelt werden würde, flüchtet vor uns. Der zierliche Collie-Mischling ist erst seit wenigen Tagen in der Drei-Zimmer-Wohnung, wenn sie sich überhaupt aus ihrem sicheren Versteck im Bad—zwischen Waschmaschine, Dusche und weißer Plastikwanne—hervorwagt, schleicht sie mit durchgedrückten Gelenken, den Bauch ganz nah am Boden, durch die Räume. Wie ein nervöser Fuchs, der sich auf seiner Suche nach Nahrung ein bisschen zu nah an die Zivilisation herangewagt hat.

Wirklich glücklich darüber, dass sie endlich einen Menschen gefunden hat, der ihr Gutes will, wirkt sie aber nicht—auch wenn Jana ihr nach einer Woche immerhin schon ein Halsband umlegen kann. „Dieser neue, ängstliche Hund empfindet mich jetzt erst mal für ein paar Wochen lang als total schrecklich. Auch wenn es hier aus unserer Perspektive schöner ist, als zum Beispiel in einem Tierheim im Ausland, möchte der Hund erst einmal wieder weg und leidet. Er hat ja keine Verbindung zu dir und es gibt für einen Hund außer Leckerlis auch keinen Grund, sich dir anzuschließen. Deswegen ist das Risiko, dass das Tier in den ersten Tagen abhaut, ziemlich hoch."

So hat Jana auch die Bekanntschaft des dunkelbraunen Rüden gemacht, der aussieht, als wäre irgendeiner seiner Vorfahren ein Schäferhund gewesen. Als Jana mir ein altes Bild von ihm aus Polen über den Tisch zuschiebt, auf dem er deutlich jünger ist, bin ich schockiert. Auf dem Foto: glänzendes, dichtes Fell, aufmerksam aufgestellte Rute und Ohren, stolzer Blick gen Kamera. Neben mir: die optische Entsprechung des sprichwörtlichen „geprügelten Hundes". „Niemand weiß genau, was mit ihm passiert ist. Aber als die Tierschützer vor Ort ihn abgeholt haben, sah er so aus. Ein komplett anderes Tier."

Trotzdem wurde der Rüde an eine Frau in Deutschland vermittelt. In Berlin angekommen nutzte er allerdings die erste Chance, um abzuhauen. Drei Monate und etliche Anfütterungsversuche später konnte Jana den Ausreißer schließlich fangen—mit einer 150 Kilo schweren Wildschweinfalle, die sie sich von einem Jäger geliehen hatte. Als seine Besitzerin ihn aus Angst vor Überforderung nicht zurücknehmen wollte, blieb der Tierschützerin nichts anderes übrig, als das traumatisierte Tier selbst aufzunehmen. „Er hatte am Anfang richtig Probleme mit Sprache, deswegen konnte ich immer nur Summen. Er hat wirklich den ganzen Tag gezittert, gehechelt, gebrochen und Durchfall gehabt, wenn man irgendwas von ihm wollte."

Für die meisten Hunde und Katzen ist die Drei-Zimmer-Wohnung nur eine Durchreisestation. Hier können sie wieder langsam Vertrauen zum Menschen fassen—immer in der Hoffnung, sie soweit zu bekommen, dass sie in eine neue Familie vermittelbar sind. „Oft sind diese Hunde geistige Kastraten ihrer eigenen Art—sie können weder uns noch ihre eigene Art lesen und verstehen. Das ist ja das Abartige. Es gab schon Hunde, bei denen mir klar war, dass das nicht wieder herstellbar ist. Die man nicht normal in eine Situation vermitteln kann, in der sie dann auch glücklich werden." Deswegen darf der braune Rüde aus Polen auch bei ihr bleiben. „Den gebe ich nicht mehr her", sagt sie und krault seinen Rücken.
(…)"
Der komplette Artikel ist hier nachzulesen:
http://www.vice.com/de/read/tiertrauma- ... 1028-v11n4


Nicht jeder vermittelte Hund wird ein glücklicher sein. Allen rosaroten vereins- und foreninternen "Glückwünschen zum neuen Zuhause" zum Trotz.
Ich wünsche mir hier viel, viel mehr Sensibilität seitens der Tierschützer – für die einzelnen Hunde, aber auch im Bezug auf Vereins- und Vermittlungspolitik! Die seelische und geistige Gesundheit der Hunde sollte nicht geringer bewertet werden als die körperliche.
LG, Kaline

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Ursula
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Re: Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Ursula » 04.06.2016, 19:16

Ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten, das es teilweise sehr sehr lange dauert,
selbst bei an sich stabilen Hunden, bis sie ihr neues Umfeld wirklich annehmen und dann
aber auch nur dann kann man wirklich feststellen was mit dem Hund wirklich "los" ist.
Auch Hunde können sich verstellen, so meine Erfahrung bis sie an Sicherheit gewonnen
haben und dann blitzt auf was und wie Sie wirklich sind.

Als unsere Szonne aus Ungarn kam-wir waren ja eigentlich der Notplatz weil die Adoptanten
abgesagt haben währen Szonne schon auf dem Weg nach D war, sie wurde dann zu uns umgeleitet-
war Sie eine trauernde, sture und klettenähnliche Hündin. Bei mir hat Sie Sich von Ihrer besten aber allerbesten Seite gezeigt,
alles klappte super sogar der Rückruf. Irgendwann nach gut 4 Monaten grübel oder waren es 5 na ja egal zog Szonne um zu
unserer Tochter nach Hamburg, dort war Sie Einzelhund, hatte Ihre Katzen und war eben wie in Ungarn bei Ihrem ehemaligen Frauchen
Princessin, tja und siehe da Madame entwickelte sich blitzschnell zu einem Panzer der plötzlich nicht mehr hören konnte oder wollte, der einfach sagte wo es lang ging, der versuchte seine Meinung durch zu setzen. Ihr "Pech" war einfach unsere Tochter
war mit 14 Schäfis aufgewachsen und wußte sich durchzusetzen, aber Versucht hat Szonne es wirklich etliche Monate ob Sie
bei unserer Tochter nicht der Boss werden konnte.

Alina auch aus Ungarn, war als sie kam eine totale Giftnudel, in der Pflegestelle sollte sie ja der liebste Hund der Welt gewesen sein, aber hier bei uns war sie in den ersten Wochen eine zischende Giftnudel, die mit allen Mitteln versucht
alles und jeden weg zu beißen, war am Anfang nicht einfach mit ihr, es hat sehr lange gedauert bis Sie angekommen war.

In meinen Augen ist der Mensch derjenige der umdenken muss, die allgemeine Meinung ist ja wir haben ihn gerettet er muss dankbar sein. Haben wir Ihn/Sie wirklich gerettet?? Haben wir den Hund nicht evtl. aus einem bis dahin bestehenden Hundeverband herausgerissen und er braucht eine neue Orientierung und viel Zeit bis er uns dem Menschen der ja meist ihr sehr viel leid zugefügt hat wieder vertraut??

Ach ja und dann haben wir ja den Kastrationswahn der Tierschützer, gerade die Kastration bei Ängstlichen Hunden hält diese doch in Ihrer Angst gefangen, ohne Ihre Hormone können die Hunde aus diesem tiefen Loch doch garnicht herauskommen. Umdenken im Tierschutz hustekuchen. Tja und dann haben wir ja noch den Kastrawahn bei Jungtieren die unbedingt VOR Reiseantritt kastriert werden müsse, das müssen die halt abkönnen :x , kein Gedanke wird verschwendet was man dem Hund damit eigentlich zusätzlich noch antut, denn jeder Übernehmer ist doch ein potentieller Züchte-kotz-

Meine pers. Meinung ist mittlerweile, es interessiert sehr, sehr viele Tierschützer einfach nicht ob der Hund wirklich glücklich wird, hauptsache vermittelt und das Geld ist überm Tisch.

Ich habe einen kleinen roten Cocker kennen lernen dürfen, der 2 oder 3 x vermittelt war und jedesmal zurück kam weil er gebissen hat, der Hund jagte auch seinen Schatten, er kam dann auf eine angeblich kompetente "Pflegestelle" die sich gerade mit solchen Problemfällen auskennen würde und wie man hier lesen durfte ist er eingeschläfert woden, Fazit aus Spanien zu Tode gerettet.

Dieses bunte Bildermärchen das ein Hund nach einigen Tagen bereits angekommen sei, kann ich aus eigener Erfahrung heraus nicht bestätigen, die meisten Hunde brauche Monate bis man merkt jetzt endlich sind sie angekommen.

Einen Hund hatte ich allerdings da hat das Märchen wirklich gestimmt, das war unser Chance, er kam aus Frankreich und hatte dort über Jahre in einem Tierheim in einem Zwinger gesessen, ohne große Ansprache und 1 x im Monat Gassigang.
Auch wenn ich ihm nur einen Zwingerplatz mit 3.000 qm Auslauf und Spaziergängen und eben täglichen Spieleinheiten (er hat Stöckchen doch so geliebt) und jeden Tag nur 1 Std. Wohnung bieten konnte, dieser Hund war irgendwie sofort bei uns daheim, der wußte am nächsten Tag schon wo sein Zwinger war und maulte rum wenn auf seinem Liegeplatz kein Vet-Bed lag.

Tja und dann war da mein Sonnenschein, mein Thelmchen die am Anfang wirklich sowas wie ein absolut sturer Panzer mit permanent Ohren auf Durchzug war, Thelmchen hat 4 Monate gebraucht bis man merken konnte, Sie ist angekommen
Sie akzeptiert Ihr neues Zuhause.


Ohh ich könnte ganze Romane schreiben aus der Zeit in der ich Pflegestelle für den Tierschutz gemacht habe.

LG Ursula
mit Alli-Phuu und Thelma dem Rölleken im Herzen und Tammi dem Springerle auf dem Sofa

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Re: Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Cockermama » 04.06.2016, 22:15

Kaline, nur mal ganz kurz vorab und zwischendurch ...

DANKE -f-

für diesen Thread und Deinen Eröffnungsbeitrag!

Ich find nur gerade nicht die Zeit für einen längeren Beitrag ...
aber ich hoffe, er folgt bald.

Liebe Grüße,
Nana
Unseriöser Tierschutz? Illegaler Tierschutz?
Infos gerne an: tierschutz-lug-und-trug at mail.de
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Re: Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Sabine, Grille, Hummel » 04.06.2016, 23:06

Kaline hat geschrieben: übernehmen / Transport (häufig viele Kilometer weit und tagelang mit wechselnden Verkehrsmitteln) / rein in den Tierheimzwinger bzw. auf PS verteilen / möglichst schnell kastrieren (egal wie zusätzlich traumatisierend das auf einen verstörten Hund sein kann) / mit Leckerchen ein wenig Vertrauen gewinnen / wenn's schlecht läuft, auch noch ein bis mehrere Wechsel von PS oder Tierheim / möglichst schnell vermitteln (damit viele andere Tiere nachkommen können) / die Verantwortung mit pauschalem Hinweis auf schlechte Vergangenheit oder Angstproblematik auf die Adoptanten abwälzen.
Du hast in groben, aber zutreffenden Worten, meinen Pflegi Samson beschrieben.
In Spanien auf 7 Pflegestellen gewesen, in Deutschland auf PS angekommen um dann, als letzte Station, zu mir zu kommen.
Ich wußte nicht was da "aus der TraBo" raus tapperte! Er hat schnell "sein Gesicht" gezeigt. Seine Verhaltensweise und meine Ehrlichkeit verbauten ihm schnell eine "normale" ES! Was hätte es genutzt ihn anders zu beschreiben! Er wäre zum unverstandenen Wanderpokal geworden und u.U. (das stand im Raum) nach Spanien zurück gebracht worden. Aber hören wollte das keiner!
Ich habe ihm in 6 Monaten das Leben gezeigt, habe ihm die Prägungen gegeben die einen normalen Hund aus machen. Und trotzdem konnte er unberechbar sein.
Er hat die Endstelle bekommen, die er verdient und profitiert von meiner Arbeit!

Samson, das habe ich ihm versprochen, wird immer eine Anlaufstelle bei mir haben! Ich werde die Enttäuschung in seinen Augen niemals vergessen, als er abgeholt wurde! Das ist einer der Gründe warum ich nicht PS geblieben bin! Denn für ihn war ich sein Zuhause. Das Zuhause das ihm Grenzen und Regeln gesetzt hat, er sich aufgehoben fühlte und geführt wurde. Ich traure heute noch um ihn!
Cocker sind wie eine Frikadelle - da ist alles drin!

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Re: Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Buddy » 05.06.2016, 08:09

Danke Kaline für dieses wichtige und informative Thema.

Für mich steht da retten um jeden Preis drüber.

Aber nicht jeder Hund will gerettet werden.

Und diese Hunde sind nicht dankbar dafür das man sie holt.

Wenn man es realistisch sieht tut man ihnen einiges an bis sie in ihrer Es landen.

Ps sind überfordert der Hund wird umgesetzt. Neue Bezugspersonen und wieder muss der Hund sich sortieren.

Was hat ein Tier erlebt welche Erfahrungen wie arbeite ich damit. Das ist vielen nicht klar.

Die kleinste Problematik und selbst die wird nicht erklärt. Der Hund löst sich nur im Haus. Will nicht stubenrein werden.

Warum ? Die Welt draußen erscheint ihm gefährlich. Da macht er sich nicht angreifbar. Löst sich im Haus.

Nach dem warum fragt oft keiner wenn der Hund beißt oder sich vor Angst versteckt.

Zwei solche Ps Hunde hatte ich. Einer mit Aggression einer vor Angst nur starr.

Bei dem 1. wurde mir geraten mich durchzusetzen. Er habe ein Dominanzproblem. Das wäre der falsche weg gewesen. Er hat einfach gelernt das er sich die Menschen so vom Leib hält und ihm dann niemand weh tut.

Wir haben ihm gezeigt das er uns vertrauen kann. Und er ist immer mehr aufgetaut. Aber wenn er sich in die Enge getrieben fühlt geht er nach vorne.

Das sitzt tief in ihm

Ebenso wie die Angst der anderen Hündin. Haus Wohnung war ihr ein Greuel. Garten war ok solange keiner raus kam und was wollte.

Heute hat sie ihren Menschen dem vertraut sie alle anderen sind gefährlich und böse.

Warum ? Weiß niemand. Sie kam mit 4 Geschwistern keine sonst ist so.
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Sabine, Grille, Hummel
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Re: Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Sabine, Grille, Hummel » 05.06.2016, 15:51

Ein ganz interessanter Artikel aus der Schweiz

http://www.sonntagszeitung.ch/read/sz_0 ... land-65303


Tja, Auslandstierschutz ist "chic" und ist große "in" Mode! Und das Ganze bitte schön noch mit Blümchengenieteten, pinken Halsbändern! "War ihr Cocker auch in der Tötung?" Wehe man verneint das! Dann gehört man nicht zum Modetrend und wird verächtlich betrachtet! (Kein Witz! Ist mir in Köln am Rheinufer oft genug passiert!)
Wie im letzten Absatz des Berichts beschrieben - solange Auslandstierschutz ein lukratives Geschäft ausmacht, wird sich an der Straßenhund-Adoption nichts ändern! Straßenhund bleibt Straßenhund! Ich hole mir auch keinen (ehemals) freilebenden Tiger ins Haus, nur weil die Hauskatze so lieb ist!
Das ist auch der Grund, warum ich bei der Adoption von Rassehunden bleibe! Auch wenn der mal auf der Straße kurzzeitig gelebt hat, kennt er den Menschen und läßt sich für das Sofaleben zurück gewinnen! Einen Straßenhund, dessen Ursprung schon Generationen und Erfahrungen gesammelt zurück liegen, wird weiter ein Leben in freier Wildbahn vorziehen, als die Zwänge und ein Halsband beim Menschen!
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Re: Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Kaline » 05.06.2016, 16:17

Danke für den Artikel! Der birgt eine solche Fülle an Infos und Anregungen, daß man thematisch mehrere neue Threads beginnen könnte, z.B. Auslandstierschutz.
LG, Kaline

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Re: Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Henri » 05.06.2016, 17:31

Sabine, Grille, Hummel hat geschrieben:
Tja, Auslandstierschutz ist "chic" und ist große "in" Mode! Und das Ganze bitte schön noch mit Blümchengenieteten, pinken Halsbändern! "War ihr Cocker auch in der Tötung?" Wehe man verneint das! Dann gehört man nicht zum Modetrend und wird verächtlich betrachtet! (Kein Witz! Ist mir in Köln am Rheinufer oft genug passiert!)
Wie im letzten Absatz des Berichts beschrieben - solange Auslandstierschutz ein lukratives Geschäft ausmacht, wird sich an der Straßenhund-Adoption nichts ändern! Straßenhund bleibt Straßenhund! Ich hole mir auch keinen (ehemals) freilebenden Tiger ins Haus, nur weil die Hauskatze so lieb ist!
Das ist auch der Grund, warum ich bei der Adoption von Rassehunden bleibe! Auch wenn der mal auf der Straße kurzzeitig gelebt hat, kennt er den Menschen und läßt sich für das Sofaleben zurück gewinnen! Einen Straßenhund, dessen Ursprung schon Generationen und Erfahrungen gesammelt zurück liegen, wird weiter ein Leben in freier Wildbahn vorziehen, als die Zwänge und ein Halsband beim Menschen!
Absolut treffend. Das ist in der Tat eine der ersten Fragen "Ist Ihr Hund auch aus dem Tierschutz?" Und auch wenn ich ehrenamtlich für ein Tierheim arbeite, wird zu 90% Sicherheit ein Hund von einem Züchter bei mir einziehen (irgendwann wenn ich in Rente gehe und genug Zeit habe). Kein Welpe, sondern ein älterer Hund.

Was gerettete und traumatisierte Hunde angeht: Leider kennen sich zu wenige PS damit aus. Und manche meinen, sie hätten das nötige Wissen und wollen keine Ratschläge annehmen. ES, bei denen Hunde voller Panik weglaufen. Die zu sorglos mit der Thematig umgehen "ist ist gerettet, der ist so dankbar". Ist er das?

Viele Angsthunde gehen leider mit völlig falschen oder fehlenden Informationen an die ES. Hunde, die vor Angst weglaufen, über Zäune klettern, sich unter Zäunen durchgraben. Niemand hat den ES gesagt, dass die Hunde auch im Garten doppelt zu sichern sind. Und das oft über Monate hinweg. Das oftmals Angsthunde keine Schmusehunde sind und dass es Monate dauern kann, bis sie sich anfassen lassen. Die aus Angst unter sich machen. Die aus Angst nach vorne gehen, wenn sie sich bedrängt fühlen. Die sich aus Angst nicht anleinen lassen (ja, da gab es mal den Rat einer PS als die ES einen Hund gekauft hat, der sich nicht anleinen liess, man solle dem Hund zum Einfangen eine Decke überwerfen).

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Re: Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Sabine, Grille, Hummel » 05.06.2016, 18:32

Henri hat geschrieben: Absolut treffend. Das ist in der Tat eine der ersten Fragen "Ist Ihr Hund auch aus dem Tierschutz?" Und auch wenn ich ehrenamtlich für ein Tierheim arbeite, wird zu 90% Sicherheit ein Hund von einem Züchter bei mir einziehen (irgendwann wenn ich in Rente gehe und genug Zeit habe). Kein Welpe, sondern ein älterer Hund.
Finde ich vollkommen in Ordnung und von mir würdest Du diesbezüglich nie eine abwertende Stellungnahme hören.
Denn es ist ein gerne totgeschwiegenes, aber offenes Geheimniss, dass viele ehemals TS-Hundehalter, danach zum Züchter gehen und sich einen bestens sozialisierten Welpen holen. Die siehst Du nie wieder im TS.
Ich könnte Dir aus dem Stehgreif in meinem früheren Cocker-bekanntenkreis einige aufzählen!

Ich erinnere mich noch immer schmunzelnd, aber auch kopfschüttelnd, wie eine Cocker-PS ihre eigene Schwester an den ultimativen Pranger stellte, weil sie nach Jahren der Nothunde-Haltung und auch wegen der Sicherheit ihrer Kinder, zu einem ordentlichen Züchter ging! Sie wurde als Schwerverbrecherin dargestellt!
Henri hat geschrieben: Was gerettete und traumatisierte Hunde angeht: Leider kennen sich zu wenige PS damit aus. Und manche meinen, sie hätten das nötige Wissen und wollen keine Ratschläge annehmen. ES, bei denen Hunde voller Panik weglaufen. Die zu sorglos mit der Thematig umgehen "ist ist gerettet, der ist so dankbar". Ist er das?
Ja woran liegt das wohl!?
Da werden "Hundeerfahrene Pflegestellen" und "Hundeerfahrene Endstellen" gesucht!
Mal eine Frage!
Ab wann ist man Hundeerfahren? Nachdem man einen gut sozialisierten Züchterhund hatte? Mit dem man nie Probleme bekam? Der im Leben einfach mitgelaufen ist!
Ist man dann Hundeerfahren?
So stellt sich das ganze doch dar, Henri! So werden doch PS und ES ausgesucht! Und so wie der problemlose Hund war, so problemlos ist dann auch die PS/ES! Und dann kommt ein Cocker, der 4einhalb Jahre in einer Kiste mit Cockerhündin sass, keine Artgenossen (sprich andere Rassen) kennt, kein normales Futter, keine Prägung hat, Sozialverhalten komplett vergessen wurde, von Hunden ob seines Verhaltens nur gemoppt wird und zu allem Überfluss in seinen wahnsinnigen Ängsten vor dem Unbekannten auch noch kastriert wurde! Kommt in eine PS mit krankem Hund, mit einem Zepter schwingenden zweiten Hund und einem weiteren dritten Hund - der lieber dem PS-Hund aus dem Weg geht.
Das solche Konstellationen knallen, braucht man nicht zu betonen! Oder?
Und solche PS werden dann allein gelassen und im nachhinein der Lüge bezichtigt, dass das ja alles nicht auf den beschriebenen Hund zugetroffen hat (dumm nur wenn man im I-Net 2 verschiedene Vergangenheits- und Charakterbeschreibungen findet!) Dann kommt es nur noch auf den Dickkopf der PS an, dass es für so eine Hundeseele gut aus geht! Andere hätten die Brocken geschmissen - schon nach 3 Tagen!

Und über eins sollten sich alle Übernehmer von TS-Hunden im klaren sein!
Kein Hund ist dankbar! Ein Hund arrangiert sich mit den neuen Gegebenheiten, stellt sich komplett um! Und wenn die PS oder ES nicht sofort, beim Betreten der Türschwelle, dem Hund Grenzen setzt und und Regeln aufstellt, hat sie komplett verloren! Von der ersten Sekunde an! Einem Hund "Zeit zu geben das er ankommt", ist der falsche Weg. Der weiß doch schon ander Haustüre Bescheid zu wem er da kommt! In der Zeit "des Ankommens" stellt Hund nämlich schon seine eigenen, für ihn angenehme Regeln auf! Die später zu unterbinden, weil sie dem Menschen nicht genehm sind, führen dann zu den unverstandenen Rückläufern!
Henri hat geschrieben: Viele Angsthunde gehen leider mit völlig falschen oder fehlenden Informationen an die ES. Hunde, die vor Angst weglaufen, über Zäune klettern, sich unter Zäunen durchgraben. Niemand hat den ES gesagt, dass die Hunde auch im Garten doppelt zu sichern sind. Und das oft über Monate hinweg. Das oftmals Angsthunde keine Schmusehunde sind und dass es Monate dauern kann, bis sie sich anfassen lassen. Die aus Angst unter sich machen. Die aus Angst nach vorne gehen, wenn sie sich bedrängt fühlen. Die sich aus Angst nicht anleinen lassen (ja, da gab es mal den Rat einer PS als die ES einen Hund gekauft hat, der sich nicht anleinen liess, man solle dem Hund zum Einfangen eine Decke überwerfen).

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In den Orgas findet viel zu wenig Aufklärung statt, wie man einen TS-Hund, übernimmt. Angsthunde gehören für mich nicht einfach so mal eben vermittelt!
Aber wer oder was sind Angsthunde? Sind Angsthunde schon diejenigen, die mucksmäuschenstill in ihren TraBo's sitzen und nach 1 Stunden völlig relax sind oder meinen wir richtige Angsthunde, die um sich schnappen/beißen, die vor Angst unter sich machen, die Tagelang nicht hinter dem Fernsehschrank hervorkommen, die vor Angst schreien etc. etc. Letztere gehören nicht in den "einfachen" TS.
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Re: Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Buddy » 05.06.2016, 20:13

Ich würde mich jederzeit wieder für einen Mix aus dem Ausland entscheiden.

Diese Straßenköter (das ist liebevoll gemeint) sind toll. Sehr ausdruckstark und Meister der Kommunikation.

Aber nicht jeder ist geeignet für jedes Leben. Es muss passen und man muss sich einlassen können.

Sie sind anders als Rassehunde.

Ich liebe meinen Russen dafür das er ist wie er ist.
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Re: Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Henri » 05.06.2016, 20:14

Ein erster kleiner Schritt wäre, dass eine PS einen Sachkundenachweis bzw. einen Hundeführerschein haben MUSS. Das alleine prädestiniert sie zwar nicht für Angsthunde. Aber eine solche PS käme überhaupt erst als PS in Frage. Der erste Schritt. Natürlich ist das von TS Orgas nicht gewünscht - brechen doch bei solchen Anforderungen die PS weg. Es ist nun mal einfacher zu sagen "ich mag Hunde - also bin ich als PS geeignet".

Ja, wer ist "hundeerfahren"? Mir begegnet jeden Morgen eine ältere Frau mit ihrem Hund. Dieser Hund bleibt an der Ampel stehen, setzt sich hin, wenn sie stehen bleibt, jammert nicht, wenn er vor einem Geschäft angeleint wird. Er ist verträglich mit allem und jedem. Und wenn man sich mit der Frau unterhält merkt man: sie hat keine Ahnung von Hunden. Was ich dami sagen will: nicht jeder, der einen funktionierenden Hund hat, ist hundeerfahren.

Hier in der Nähe ist eine Hundeschule. Die Leiterin erzieht ihren Hund mit Leinenruck und Gebrüll. Ist sie hundeerfahren? Meinen eigenen Hund würde ich ihr nicht anvertrauen.

Da werden Hunde, von denen man keine Infos hat, in PS gesetzt. Da müssen sich alle irgendwie dann arrangieren. Es stimmt:
Kein Hund ist dankbar! Ein Hund arrangiert sich mit den neuen Gegebenheiten, stellt sich komplett um!


Und auch wenn Hunde im Hier und Jetzt leben bin ich der Meinung, dass sie nicht vergessen. Da genügt ein Schlüsselreiz und sie werden in ihrer Eingewöhnung und Entwicklung zurückgeworfen. Stehr das dann in den Tagebüchern? Kaum.

Ich kenne kaum eine PS, die sich mit Angsthunden auskennt. Und wenn sie sich auskennt, dann auch ehrlich genug ist, den Interessenten auch schonungslos diese Ängste mitzuteilen. Pflegestellen, die stolz darauf sind, den "Hundert und Einsten" Hund vermittelt zu haben, haben m. M. nach nicht verstanden, dass es nicht um Quantität sondern um Qualität geht.

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Re: Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Buddy » 05.06.2016, 20:49

Ein Sachkundenachweis sagt für mich nichts aus.

Ich kenne genug die ihn haben denen ich meine Hunde niemals anvertrauen würde.

Ich selber habe keinen. Denke aber ich bin schon eine fähige PS.

Aber wer überprüft PS ? Oft Leute die selber kaum Ahnung haben.

Ich sage immer eine PS muss viel können und leisten. Mehr als eine Es.

Und Tagebücher sowie Beschreibung sind meiner Meinung selten ehrlich.

Mir ist wichtig das der Hund seine Es findet und wenn es lange dauert dann ist das so.
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Re: Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Sabine, Grille, Hummel » 05.06.2016, 21:05

Henri hat geschrieben:Es stimmt:
Kein Hund ist dankbar! Ein Hund arrangiert sich mit den neuen Gegebenheiten, stellt sich komplett um!


Und auch wenn Hunde im Hier und Jetzt leben bin ich der Meinung, dass sie nicht vergessen. Da genügt ein Schlüsselreiz und sie werden in ihrer Eingewöhnung und Entwicklung zurückgeworfen. Stehr das dann in den Tagebüchern? Kaum.
Der gleichen Meinung bin ich auch. Hunde haben ein Erinnerungsvermögen. Ich übersetze es immer mit Prägung. (ich weiß das einige jetzt aufstöhnen) Prägung ist für mich Erfahrung in einschneidenden Erlebnissen, auf die der Hund als Erinnerung zurück greift. Das kann das Lob genauso wie die Prügel sein.

Und Erinnerungen können beim Hund auch Jahre zurück gehen!

Zwei Beispiele

Pebbles war eine Privatabgabe. Wir holten sie auch dort ab.
Jahre später mußten wir aus verkehrstechnischen Gründen an ihrem ehemaligen Zuhause vorbei fahren. Im Fußraum sass eine völlig verunsicherte Pebbles, die sich erst beruhigte als merkte, dass wir an ihrem "alten" Zuhause vorbei fuhren.

Jota hat ein Trainingsproblem.
Jota ist jetzt knapp 2einhalb Jahre bei mir. Kommandos sind für sie kein Problem. Werden exakt ausgeführt. Und alle auf Deutsch, was zu Anfang sehr verwunderte, aber natürlich einen sehr guten Zugang schaffte und vieles einfacher machte.
Aber ich stieß immer wieder an Grenzen. Nämlich dann wenn sie etwas Neues lernen sollte. Tägliche Routine und Händling guckte sie sich von Grille und Pebbles ab. Sei es "raus aus der Küche" beim Futter machen, "Steh" beim warten an der Straße, "Bleib" usw. Aber gezielt neue Kommandos oder Tricks - keine Chance. Entweder sie guckte mich treudoof an oder verließ den Raum. Ohne Übertreibung - ich habe fast 6 Monate gebraucht um ihr "Pfote" bei zu bringen. Kein Aufbau funktionierte! Letzt endlich funktioniert es jetzt - auch mit Unterscheidung "andere Pfote".
Da passierte mir vor ein paar Wochen ein Fehler bzw. Verwechslung. Statt "Pfote" sagte ich "Five" und hob die Hand senkrecht hoch. Patsch schoss die Pfote von Jota hoch und sie klatschte ab! :shock: Ich war völlig irritiert.
Ich habe lange darüber nachgedacht und mich auch mit jemandem darüber unterhalten. Ich glaube des "Pudels Kern" haben wir gefunden. Jota will oder mag keine Kommandos lernen, weil sie vermutlich an etwas erinnert wird, was nicht positiv in ihrer Erziehung verlaufen ist. Bei "Sitz" knallt sie regelrecht runter! Bei "Platz" will sie erst gar nicht runter und wenn legt sie sich sofort in Demutshaltung auf den Rücken und blickt leicht panisch. Bei "Runter" (Bett/Sofa/anspringen) brauch ich das nur einmal sagen ..... Jota reagiert sofort!
Ich habe wirklich und wahrhaftig den Eindruck, dass sie bei Kommandotraining ein Trauma hat und deswegen nicht lernen will!

Mal sehen was meine rote Wundertüte noch alles durch Zufall zeigt! :wink:
Cocker sind wie eine Frikadelle - da ist alles drin!

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Catrin
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Re: Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Catrin » 06.06.2016, 15:11

Ein wichtiges und weitreichendes Thema - Danke, Kaline.

Ich habe/hatte auch drei traumatisierte Hunde. Jeder auf seine eigene Weise - mal offensichtlich - mal erst auf den 2. Blick - mal eher ADS-mäßig - mal eher Typ Salzsäule...

Manche TSV nutzen die Gelegenheit, um über die Darstellung von traumatisierten so wie auch behinderten Hunden bzw. deren Geschichten Spenden zu akquirieren. Es ist nun mal so, dass sich die Börse leichter öffnet, wenn uns tieftraurige Augen anschauen als wenn uns ein lebenslustiger Hundeblick entgegenstrahlt.

Allerdings gibt es nicht nur im Auslands-TS traumatisierte Hunde, sondern leider auch in unseren Tierheimen:
Darunter sind auch Rasse-Hunde von "seriösen" Züchtern, die aus diversen Gründen dort landen, u.a. wenn sie (um mal Henris Beispiel zu folgen) zu "charakterstark" werden.

Leider ist die Vermittlung in Tierheimen auch nicht immer von Fachwissen und Hunde- bzw. Menschenverstand geprägt. Viele Aussagen zu der Persönlichkeit von Hunden sind auch erst im Zusammenleben mit diesen möglich, was natürlich durch die - i.d.R. nicht auf PS basierende - Struktur der TH erschwert wird.
Allerdings gibt es auch schon Tierheime, die sich der Hilfe von Hundetrainern bedienen. Tierpsychologen wird mal wohl eher selten finden... leider... es sei denn, diese bieten ihre Unterstützung kostenreduziert bzw. sogar ehrenamtlich an.
l
offline... der neue Luxus


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Cockermama
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Re: Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Cockermama » 06.06.2016, 16:12

Sabine, Grille, Hummel hat geschrieben:
Henri hat geschrieben: Was gerettete und traumatisierte Hunde angeht: Leider kennen sich zu wenige PS damit aus. Und manche meinen, sie hätten das nötige Wissen und wollen keine Ratschläge annehmen. ES, bei denen Hunde voller Panik weglaufen. Die zu sorglos mit der Thematig umgehen "ist ist gerettet, der ist so dankbar". Ist er das?
Ja woran liegt das wohl!?
Da werden "Hundeerfahrene Pflegestellen" und "Hundeerfahrene Endstellen" gesucht!
Mal eine Frage!
Ab wann ist man Hundeerfahren? Nachdem man einen gut sozialisierten Züchterhund hatte? Mit dem man nie Probleme bekam? Der im Leben einfach mitgelaufen ist!
Ist man dann Hundeerfahren?
Das ist eine sehr gute Frage.

Auch Menschen leben manchmal miteinander und doch nebeneinander her - und kennen sich nicht,

aber selbst, wenn man ein total schönes, inniges, liebevolles Verhältnis zu seinem Hund hat und dieser Hund, wie Du schreibst, von einem Züchter kam, nie etwas schlechtes erlebt hat, kann man völlig ahnungslos sein...

überfordert und unwissend - je nachdem, was ein anderer Hund in seinem Köfferchen mitbringt.

Man glaubt, Hundeerfahrung zu haben - weil man einen Hund hat(te).

Einen Hund zu haben heißt aber eben noch lange nicht, Hundeerfahrung zu haben.

Vielleicht stellt sich Hundeerfahrung tatsächlich erst ein, wenn wir beginnen Hunde zu erfahren -
nicht nur uns Wissen anzueignen - aus eigenen Erfahrungen, über das Lesen oder auch Seminare, etc. -
sondern zu fühlen, zu sehen, zu beobachten, zu begreifen, zu verstehen ... zu lernen.

Liebe Grüße,
Nana
Unseriöser Tierschutz? Illegaler Tierschutz?
Infos gerne an: tierschutz-lug-und-trug at mail.de
FB-Gruppe Tierschutz - Lug und Trug?!

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Buddy
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Re: Traumatisierte Hunde im Tierschutz

Beitrag von Buddy » 06.06.2016, 18:04

Cockermama hat geschrieben:
Sabine, Grille, Hummel hat geschrieben:
Henri hat geschrieben: Was gerettete und traumatisierte Hunde angeht: Leider kennen sich zu wenige PS damit aus. Und manche meinen, sie hätten das nötige Wissen und wollen keine Ratschläge annehmen. ES, bei denen Hunde voller Panik weglaufen. Die zu sorglos mit der Thematig umgehen "ist ist gerettet, der ist so dankbar". Ist er das?
Ja woran liegt das wohl!?
Da werden "Hundeerfahrene Pflegestellen" und "Hundeerfahrene Endstellen" gesucht!
Mal eine Frage!
Ab wann ist man Hundeerfahren? Nachdem man einen gut sozialisierten Züchterhund hatte? Mit dem man nie Probleme bekam? Der im Leben einfach mitgelaufen ist!
Ist man dann Hundeerfahren?
Das ist eine sehr gute Frage.

Auch Menschen leben manchmal miteinander und doch nebeneinander her - und kennen sich nicht,

aber selbst, wenn man ein total schönes, inniges, liebevolles Verhältnis zu seinem Hund hat und dieser Hund, wie Du schreibst, von einem Züchter kam, nie etwas schlechtes erlebt hat, kann man völlig ahnungslos sein...

überfordert und unwissend - je nachdem, was ein anderer Hund in seinem Köfferchen mitbringt.

Man glaubt, Hundeerfahrung zu haben - weil man einen Hund hat(te).

Einen Hund zu haben heißt aber eben noch lange nicht, Hundeerfahrung zu haben.

Vielleicht stellt sich Hundeerfahrung tatsächlich erst ein, wenn wir beginnen Hunde zu erfahren -
nicht nur uns Wissen anzueignen - aus eigenen Erfahrungen, über das Lesen oder auch Seminare, etc. -
sondern zu fühlen, zu sehen, zu beobachten, zu begreifen, zu verstehen ... zu lernen.

Liebe Grüße,
Nana
Da bin ich zu 100 % bei dir Nana.

Und jeder Hund ist wieder eine neue Erfahrung und Herausforderungen. Und man merkt oft das es einem an Erfahrung fehlt.
Claudia mit Buddy, Yuri und Enya und dem Seelenhund Lanya fest im Herzen.
- “Wer hohe Türme bauen will, muß lange beim Fundament verweilen.”
Anton Bruckner (1824-1896), Komponist-

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